Panorama

Hunger nimmt weltweit zu Jeder elfte Mensch ist chronisch unterernährt

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Besonders betroffen von Hunger sind dem Bericht der Vereinten Nationen zufolge Kinder.

(Foto: imago images/Friedrich Stark)

In ihrem jährlichen Bericht legen mehrere UN-Organisationen erschreckende Zahlen vor. Fast neun Prozent der Weltbevölkerung leiden demnach an Hunger. Besonders davon betroffen sind Kinder, während Fettleibigkeit bei Erwachsenen zu nimmt.

Der Hunger weltweit ist auf dem Vormarsch. Derzeit ist mindestens jeder elfte Mensch unterernährt, wie aus dem Welternährungsbericht der Vereinten Nationen hervorgeht. Dazu gehören auch Millionen Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, um gesund aufzuwachsen. Insgesamt schätzen die Experten in ihrer am Montag vorgelegten Studie, dass im Jahr 2019 rund 690 Millionen Menschen unterernährt waren - also knapp neun Prozent der Weltbevölkerung.

Der Bericht wurde unter anderem vom Kinderhilfswerk Unicef, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für Nahrung und Landwirtschaft (FAO) erstellt. Demnach waren 2019 schätzungsweise zwei Milliarden Menschen - ein Viertel der Weltbevölkerung - von "mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit" betroffen. Die Zahlen sind seit 2014 leicht steigend.

Das UN-Ziel, dass bis 2030 niemand mehr chronisch unterernährt ist, werde voraussichtlich verfehlt, warnten die Experten. "Wenn sich die jüngsten Trends fortsetzen, wird die Zahl der vom Hunger betroffenen Menschen bis 2030 auf über 840 Millionen ansteigen."

Menschen in Afrika besonders gefährdet

Besonders betroffen sind dem Bericht zufolge Kinder. Demnach waren 2019 gut 21 Prozent der Kinder unter fünf Jahren ernährungsbedingt unterentwickelt, 6,9 Prozent waren ernsthaft geschwächt. Zugleich waren 5,6 Prozent der unter Fünfjährigen übergewichtig, und die Fettleibigkeit bei Erwachsenen nimmt in allen Regionen der Welt zu.

Bis 2030 könnte rund ein Viertel der Bevölkerung Afrikas Hunger leiden, schätzen die Experten. Schon heute seien es 19,1 Prozent - doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen lebt in Asien. Allerdings ist ihre Zahl seit 2015 um acht Millionen gesunken. In Lateinamerika und der Karibik verschlechtert sich die Lage zunehmend. Dort stieg die Zahl der hungernden Menschen seit 2015 um neun Millionen.

Problematisch ist dem Bericht nach vor allem die Bezahlbarkeit einer gesunden Ernährung: "Gesunde Ernährung ist für viele Menschen, insbesondere für die Armen, in allen Regionen der Welt unerschwinglich." Schätzungen zufolge kostet eine gesunde Ernährung im Durchschnitt fünfmal so viel wie eine Ernährung, die nur den Energiebedarf durch Grundnahrungsmittel deckt.

Mehr als drei Milliarden Menschen weltweit können sich dem Bericht zufolge eine ausgewogene Ernährung aus Obst, Gemüse und proteinreichen Lebensmitteln nicht leisten.

Krise durch Corona und Heuschreckenplagen

Der Ausblick für 2020 ist neben der Corona-Pandemie auch wegen beispielloser Heuschreckenplagen in Ostafrika düster. Vorläufigen Schätzungen zufolge wird die Pandemie und die darauffolgende Krise im Jahr 2020 die Zahl der Hungernden "je nach Szenario des Wirtschaftswachstums um zwischen 83 und 132 Millionen Menschen" vergrößern.

Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam warnte, durch die Corona-Pandemie könnten mehr Menschen verhungern als am Virus selbst zu sterben. Oxfam forderte CSU-Bundesentwicklungsminister Gerd Müller auf, sich für existenzsichernde Einkommen und Löhne einzusetzen sowie Agrarökologie ins Zentrum der Hungerbekämpfung in Afrika zu stellen.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Fian Deutschland, kritisierte, Kleinbauern in den Ländern des Südens würden abgedrängt und einem unfairen globalen Wettbewerb ausgesetzt. Dabei produzierten sie rund zwei Drittel aller Nahrungsmittel dieser Länder. "Die Politik muss endlich umsteuern - weg von konzerndominierten Ernährungssystemen hin zu einer Politik, die die Bedürfnisse von Landwirten und hungernden Menschen ins Zentrum stellt."

Der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hoffmann, forderte die Bundesregierung insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Krise zum Handeln auf: "Die Bundesregierung muss jetzt mehr tun, um die Vereinten Nationen bei der Lebensmittelversorgung in den Krisenregionen zu unterstützen und neben Geldern auch Transportkapazitäten bereitzustellen."

Quelle: ntv.de, nan/AFP