Panorama

Hungersnot droht Heuschrecken fallen über Ostafrika her

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Die Wüstenheuschrecken fliegen in riesigen Schwärmen, so wie hier in Kenia.

(Foto: dpa)

Die Corona-Krise wäre allein schon eine Herausforderung für Afrika, doch der Osten des Kontinents leidet zudem noch unter einer der schlimmsten Heuschreckenplagen seit Jahrzehnten. Es droht eine Hungerkatastrophe.

Wegen einer der schlimmsten Heuschreckenplagen seit 70 Jahren warnen Experten vor einer massiven Hungersnot in Ostafrika. Die Corona-Krise erschwere zudem eine Versorgung der bis zu fünf Millionen vom Hunger bedrohten Menschen, warnte die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) in einer Studie. Die Gemeinschaft einiger ostafrikanischer Staaten Igad teilte mit, schon vor der Covid-19-Pandemie sei die Versorgungslage bei 27,6 Millionen Bedürftigen prekär gewesen - nun drohe die Zahl weiter zu steigen.

Die neue IRC-Studie warnt vor der vierten Generation der Wüstenheuschrecken, die bis zu 8000-fach größere Schwärme bilden könnten als die jeweiligen Vorgänger, die sich seit Mitte 2019 in der Region ausgebreitet und immens großen Schaden angerichtet haben. Am schlimmsten sei Somalia betroffen: "Ohne sofortige Hilfe können sich in Somalia voraussichtlich 3,5 Millionen Menschen nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen", betonen die Autoren der Studie.

Seit Monaten fallen Millionen von Wüstenheuschrecken über Teile Ostafrikas, Asiens und des Nahen Ostens her und zerstören Äcker und Weiden. Die Länder bekämpfen die Heuschrecken mit Insektiziden, doch der viele Regen in Ostafrika lässt die Insekten gedeihen. Viele Menschen dort haben wegen früherer Dürren und schwelender Konflikte ohnehin schon nicht genug zu essen. Die Corona-Krise hat die Lage verschärft.

Die Hilfsorganisation Care warnte, dass etwa in Somalia, dem Tschad, dem Südsudan oder dem Kongo Schwangere durch Einschränkungen in der medizinischen Grundversorgung und Hungerkrisen besonders leiden. Das könnte in der Region die Müttersterblichkeit anschwellen lassen. Im westafrikanischen Sierra Leone, wo die Müttersterblichkeit weltweit am dritthöchsten ist, sterben pro 100.000 Geburten 1120 Frauen. Bei derselben Anzahl sind es in Deutschland 7 tote Frauen.

Kurzumfragen von Save the Children in Sambia, Somalia und Tansania ergaben zudem, dass viele Afrikaner nicht ausreichend über die Verbreitung des Virus und den Schutz vor einer Ansteckung informiert sind.

Die Weltbank will die Betroffenen der verheerenden Heuschreckenplage in Ostafrika und dem Nahen Osten mit einem millionenschweren Hilfspaket unterstützen. Rund 500 Millionen Dollar (etwa 455 Millionen Euro) werden in die Hilfe für arme Kleinbauern, Viehhirten und ländliche Familien gesteckt, wie die Weltbank im Mai mitteilte.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa