Panorama

Auch Apotheken dürfen spritzen Johnson gibt Gas beim Impfen

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Der britische Premier Johnson besucht ein Impfzentrum: Dort sind bald 24-Stunden-Schichten geplant.

(Foto: REUTERS)

Die Ansteckungsdynamik in Großbritannien ist dramatisch, in London liegt die Inzidenz bei über 1000. Premier Johnson setzt nun alles auf eine rasante Impfkampagne. Die Impfzentren sollen bald 24 Stunden geöffnet sein und auch Apotheken dürfen das Vakzin ab sofort verabreichen.

In Großbritannien bieten nun auch Apotheken Impfungen gegen das Coronavirus an. Der Schritt soll helfen, das Impftempo zu erhöhen. Die Regierung will bis Mitte Februar bis zu 15 Millionen Menschen aus den größten Risikogruppen impfen. "Apotheken spielen eine zentrale Rolle im Kampf gegen Covid-19", sagte Claire Anderson von der Apothekervereinigung Royal Pharmaceutical Society. Mehrere Ketten wie Boots und Superdrug, aber auch unabhängige Apotheken erhielten die ersten Lieferungen. Ende Februar sollen "Hunderte" Geschäfte in der Lage sein, Menschen zu impfen.

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Sechs Apotheken haben in England begonnen, den Corona-Impfstoff zu verabreichen.

(Foto: picture alliance/dpa/PA/AP)

Bisher sind nach Regierungsangaben landesweit bereits mehr als 3,2 Millionen Dosen gegen das Virus verabreicht worden. Angesichts der raschen Ausbreitung einer mutmaßlich deutlich ansteckenderen Virus-Variante setzt die Regierung auf einen baldigen Effekt der Massenimpfung. Das Gesundheitssystem steht erheblich unter Druck, in den Kliniken werden nach Angaben von Premierminister Boris Johnson etwa 70 Prozent mehr Corona-Patienten behandelt als zum Höhepunkt der ersten Welle im April.

Impfen im 24-Stunden-Betrieb

Angesichts dieser hohen Corona-Zahlen soll in Großbritannien demnächst rund um die Uhr geimpft werden. Premierminister Johnson hatte am Mittwoch im Parlament angekündigt, der Betrieb von 24-Stunden-Impfzentren solle "so bald wie möglich" aufgenommen werden. Derzeit halte ein Mangel an Impfstoff jedoch eine noch raschere Impfkampagne zurück.

Kritik kam von Oppositionsführer Keir Starmer. Der Labour-Chef warf Johnson vor, zu lange mit einer Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen zu warten. "Kann der Premierminister uns sagen, warum um alles in der Welt die Einschränkungen lockerer sind als vergangenen März, wenn die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die Zahl der Toten viel höher sind?" Johnson antwortete, das Land durchlaufe gerade die "härteste Zeit", doch mit den Impfungen sei ein Ausweg vorgezeichnet.

Lange Wartezeiten in Notaufnahmen

Wegen der Überlastung gibt es lange Wartezeiten in den Notaufnahmen. In der Woche bis zum 10. Januar mussten in England mehr als 5500 Patienten länger als eine Stunde auf die Aufnahme warten, wie aus Daten des Gesundheitsdiensts NHS hervorgeht. Das ist der höchste Stand in diesem Winter. Mehr als 9200 weitere Patienten mussten sich 30 bis 60 Minuten gedulden. Erfasst wird die Wartezeit bis zur vollendeten Erfassung in der Notaufnahme. Viele Krankenhäuser haben kaum Platz für andere Operationen und Maßnahmen. Die Zahl der Patienten, die generell auf eine Aufnahme in die Kliniken warteten, stieg Ende November auf 4,46 Millionen und damit auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Dies zeige die "katastrophalen Auswirkungen" des Coronavirus, sagte der Chef der Chirurgenvereinigung Royal College of Surgeons of England, Neil Mortensen. "Wenn diese Krise irgendwann beendet ist, benötigen wir nachhaltige Investitionen, um alle zu behandeln, die geduldig gewartet haben", mahnte er.

Großbritannien ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - liegt landesweit bei knapp 600. In der Hauptstadt London beträgt der Wert sogar mehr als 1000.

Quelle: ntv.de, mau/dpa