Panorama

Fast 10.000 Corona-Tote Johnson vertreibt sich die Zeit mit Sudoku

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Großbritannien taumelt in Johnsons Abwesenheit führungslos durch die Krise.

(Foto: REUTERS)

Knapp 2000 Menschen hat die Corona-Pandemie in Großbritannien und Nordirland allein in den beiden vergangenen Tagen Leben gekostet. Das Schlimmste steht dem Vereinigten Königreich aber wohl noch bevor. Der an Covid-19 erkrankte Premierminister vertreibt sich derweil die Zeit im Krankenhaus.

Der britische Premierminister Boris Johnson macht nach Angaben der Regierung in London weiter "gute Fortschritte" bei der Genesung von seiner Covid-19-Erkrankung. Wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, erhält Johnson im Krankenhaus täglich Briefe und Baby-Ultraschallbilder von seiner schwangeren Verlobten Carrie Symonds sowie Tausende Karten mit Genesungswünschen. Er habe zudem ein Tablet, auf dem er sich Filme wie "Kevin - Allein zu Haus" und "Herr der Ringe" anschaue. Außerdem vertreibe er sich die Zeit mit Sudoku-Rätseln.

Unterdessen melden die Behörden dramatische Zahlen. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben landesweit 917 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion. Am Vortag war die Zahl der Opfer mit 980 beziffert worden. Damit sind allein in den beiden vergangenen Tagen fast 2000 Menschen gestorben. Inzwischen nähert sich die Zahl der Todesfälle der Marke von 10.000. Gleichzeitig wurden am Samstag 5234 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Die Gesamtzahl der erfassten Infektionsfälle liegt demnach bei 78.991. Dem Land steht in der Coronavirus-Pandemie das Schlimmste allerdings wohl noch bevor.

Großbritannien ist in Europa eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Die Regierung von Premierminister Johnson hatte anfangs lange gezögert, mit strikten Maßnahmen die Verbreitung des Virus einzudämmen. Mittlerweile sind auch eine ganze Reihe hochrangiger Regierungsvertreter infiziert, darunter eben auch Johnson selbst.

Am Freitag hatte der Regierungssitz Downing Street mitgeteilt, der 55-Jährige könne mit Unterbrechungen schon wieder kleinere Strecken gehen. Johnson hatte drei Tage auf der Intensivstation des St. Thomas' Hospital in London verbracht, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Am Donnerstag wurde er wieder auf eine normale Station verlegt. Johnson sei "extrem guter Dinge", aber noch in der frühen Phase seiner Genesung und werde weiterhin genau beobachtet, hatte es in einer Mitteilung geheißen. Johnson wird derzeit von Außenminister Dominic Raab vertreten. Die Kompetenzen des Premierministers hat Raab aber nicht.

*Datenschutz

Großbritanniens ungeschriebene Verfassung sieht keine klare Regelung für den Fall vor, dass der Regierungschef ausfällt. Es wird damit gerechnet, dass Johnson noch mehrere Wochen fehlen könnte.

Johnson hatte noch Anfang März geprahlt, er habe Menschen in einem Krankenhaus, darunter Covid-19-Patienten, die Hand geschüttelt und werde dies weiterhin tun. Die Maßnahmen der Regierung beschränkten sich zu diesem Zeitpunkt auf den Ratschlag, sich häufig und gründlich die Hände zu waschen. Johnson hatte sich selbst dabei vom BBC-Fernsehen filmen lassen. Er sah dabei, wie häufig bei alltäglichen Tätigkeiten, eher unbeholfen aus.

Quelle: ntv.de, jve/jwu/dpa/AFP