Panorama
In diesem Viersener Park ist der Angriff passiert: Der Casinogarten in der Innenstadt.
In diesem Viersener Park ist der Angriff passiert: Der Casinogarten in der Innenstadt.
Montag, 11. Juni 2018

Mordfall in Viersen: Jugendliche in NRW erstochen

Schon wieder Flatterband der Polizei. Schon wieder Männer in weißen Overalls am Tatort: In Viersen wird ein Mädchen erstochen, ein Verdächtiger stellt sich später der Polizei. Viersen trauert - und stellt Fragen.

Ilja Hansen kauert verzweifelt am Eingang des Viersener Parks "Casinogarten", schüttelt den Kopf, murmelt immer wieder leise vor sich hin. "Ich hätte mehr machen müssen", sagt er. Nur wenige Stunden zuvor habe er die Schreie des 15-jährigen Mädchens gehört, das wenig später blutüberströmt auf einem kleinen Rasenstück zusammengebrochen sei. "Ich habe die Wunden zugehalten", beschreibt der Obdachlose die Szene, die am helllichten Tag die niederrheinische Stadt erschüttert. Vergeblich. Das Mädchen stirbt wenig später.

Nur Stunden nach der Tat stellt sich ein Tatverdächtiger der Polizei. Aber bis zum späten Abend bleibt unklar, ob er auch derjenige ist, der für die tödlichen Messerstiche verantwortlich ist.

Mehrere größere Kreise, mit grellgelber Farbe auf das Pflaster gesprüht, sind am Abend die einzigen Spuren der Bluttat vom Mittag. Blutspritzer zeichnen sich ab in den Kreisen. Es sind die Spuren einer Tat, die sich einreiht in die Schlagzeilen.

Menschen trauern, Menschen weinen

Denn in den vergangenen Monaten sind in Deutschland mehrere jugendliche Mädchen nach Gewaltverbrechen gestorben. Am Wochenende wurde der Tatverdächtige im Fall der getöteten 14-jährigen Susanna, Ali B., im Irak festgenommen. Der Flüchtling steht im Verdacht, das Mädchen aus Mainz vergewaltigt und umgebracht zu haben. In Kandel zieht der Fall einer 15-Jährigen Aufmerksamkeit auf sich, die in einem Drogeriemarkt erstochen wird. In Berlin wird im März war die 14-jährige Keira umgebracht und im Oktober 2016 in Freiburg die 19-jährige Studentin Maria L. In einigen Fällen werden junge Flüchtlinge verdächtigt.

Als es Abend wird in Viersen, kommen zunehmend Menschen in den Park. Sie trauern, sie weinen, sie halten sich an den Händen. "Ich kann es immer noch nicht glauben", sagt ein Mädchen. Sie sei bis vor einem Jahr mit der 15-Jährigen auf die Schule gegangen. Dann weint sie. Auch die Eltern der Toten sind am Tatort. Ilja Hansen zeigt ihnen den Ort, an dem das Mädchen auf der Wiese zusammenbrach, an dem er helfen wollte. Gedenkkerzen stellen sie auf, dann bricht die Mutter von Weinkrämpfen geschüttelt zusammen. Der Vater kniet neben ihr, er versucht sie zu stützen.

Während viele mit ihren Tränen kämpfen an diesem beschaulichen Ort im Park, machen andere ihrem Zorn Luft. "Ich bin wütend, was hier alles rein kommt", sagt eine Frau aus Viersen. "Die Jungen müssten alle wieder raus", fordert sie - offenbar mit Blick auf die Hunderttausenden seit 2015 nach Deutschland eingereisten Migranten. Ihre Tochter begleitet sie. "Ich gehe abends nicht mehr raus", sagt die 18-Jährige.

Ein älterer Mann mahnt zur Besonnenheit, während er seinen Dackel im Park ausführt. "Hier laufen viele Nationalitäten herum. Sie wissen nicht, was sie mit ihrer Zeit machen sollen, sie sitzen in irgendwelchen Heimen", sagt er. Und fügt hinzu: "Wenn es überhaupt einer von denen war."

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Quelle: n-tv.de