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Chorknaben missbraucht Kardinal Pell legt gegen Urteil Berufung ein

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Kardinal Pell bestreitet die Vorwürfe.

(Foto: AP)

Wegen des sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben wird der australische Kardinal Pell zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Doch der Geistliche beteuert weiter seine Unschuld. Nun will er vor dem High Court das gefällte Urteil anfechten.

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, geht gegen seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in Berufung. Der 78-Jährige schaltete Australiens oberstes Gericht ein, den High Court. Pell sitzt bereits seit März im Gefängnis. Die Berufung ist für ihn die letzte Chance, einer längeren Haftstrafe zu entgehen.

Die ehemalige Nummer drei des Vatikans war im März wegen des Missbrauchs von zwei Chorknaben zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der erste Versuch, das Urteil aufheben zu lassen, scheiterte im vergangenen Monat. Bleibt es dabei, könnte Pell auf Bewährung frühestens nach drei Jahren und acht Monaten im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden. Dann wäre er 81 Jahre alt. Der High Court muss erst noch entscheiden, ob er den Fall überhaupt annimmt.

Die Verurteilung basierte überwiegend auf der Aussage eines Missbrauchsopfers. Das zweite mutmaßliche Opfer war 2014 an einer Überdosis Drogen gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäußert. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Victoria befand im August, dass der Hauptzeuge als äußerst glaubwürdig einzustufen sei. Pell weist alle Vorwürfe zurück. Seine Anwälte argumentieren, der Geistliche hätte wegen der dünnen Beweislage nicht schuldig gesprochen werden dürfen.

Pell ist der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der jemals wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Der Fall reicht in die Jahre 1996/97 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne geworden war. Nach einem Gottesdienst soll er sich an zwei Chorknaben vergangen haben, die erst 13 Jahre alt waren.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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