Panorama

Weiterhin so viele Todesfälle? Kassenärzte-Chef bezweifelt Lockdown-Erfolg

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Viele Geschäfte bleiben zu: Auch auf der Frankfurter Zeil ist es fast leer.

(Foto: imago images/Norbert Neetz)

Erst in einigen Wochen zeigt sich, wie sich der harte Lockdown auswirkt. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bezweifelt, dass die Beschränkungen ausreichen, um das Infektionsgeschehen bis Anfang des Jahres bedeutend einzudämmen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, rechnet mit einem Scheitern des seit Mittwoch geltenden Lockdowns. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir bis zum 10. Januar eine relevante Absenkung der Infektionsraten und schon gar nicht der Todesfälle erreichen werden", sagte Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Daran werde auch eine Verlängerung des Lockdowns nichts ändern. "Ein Lockdown, egal wie hart, ist keine geeignete langfristige Strategie in der Pandemiebekämpfung."

Stattdessen sollte mehr für den Schutz der Risikogruppen in den Alten- und Pflegeheimen getan werden. Außerdem müssten Menschenströme entzerrt werden, beispielsweise durch den Einsatz von mehr Bussen und Bahnen, sowie subventionierten Taxifahrten für Risikogruppen, forderte Gassen.

Zudem plädierte er für die Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen, wenn alle impfbereiten Menschen eine Impfung erhalten haben. "Wenn jeder, der es möchte, eine Impfung bekommt, können wir auch die Beschränkungen aufheben", sagt Gassen. Wer sich nicht impfen lassen möchte, müsse dann mit dem Risiko leben, an Covid-19 zu erkranken oder gar daran zu sterben. "Es kann nicht sein, dass der Rest der Gesellschaft dauerhaft auf Impfverweigerer Rücksicht nehmen muss." Er rechne mit einer Durchimpfung der Bevölkerung bis zum Sommer.

Am Montag will die europäische Arzneimittelbehörde Ema über die Zulassung des Biontech-Pfizer-Vakzins entscheiden. Es wird mit einem positiven Entscheid gerechnet. Voraussichtlich direkt nach Weihnachten werden in Deutschland die ersten Menschen geimpft. Insbesondere solle mit den Impfungen in Pflegeheimen begonnen werden, hieß es aus der Berliner Gesundheitsverwaltung.

Bis sich ein großer Teil der Bevölkerung impfen lassen kann, wird es jedoch noch deutlich länger dauern. In einem ersten Schritt nach der Zulassung könnten laut Gesundheitsminister Jens Spahn rund 400.000 Impfdosen in Deutschland ausgeliefert werden. Bis Ende des ersten Quartals rechnet der Gesundheitsminister mit elf bis 13 Millionen Impfdosen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts