Panorama

Nicht-muslimisches Model Katjes wird für Kopftuch-Motiv gescholten

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Auf ihrem Instagram-Account ist Petrovic meist leichter bekleidet.

(Foto: Katjes)

Die Gesellschaft wird immer bunter, das wollen auch Firmen in ihren Werbekampagnen berücksichtigen. Doch noch ist es ein schmaler Grat zwischen Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit. Das erfährt jetzt auch Katjes.

Für seine aktuelle Kampagne für vegane Süßigkeiten mit einem kopftuchtragenden Model bekommt der Süßwarenhersteller Katjes seit Anfang der Woche jede Menge Aufmerksamkeit. Die Kampagne wird eifrig diskutiert, allerdings ist die Social-Media-Gemeinde gespalten.

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Katjes erklärt die Werbeaktion, in der unter anderem ein Model mit pinkem Hijab genüsslich in ein veganes Gummitierchen beißt, mit der "Vielfältigkeit der Zielgruppe". Deshalb habe man  insbesondere junge Frauen ansprechen wollen, "die Spaß am Leben haben und sich dabei bewusst ernähren. Dazu zählen auch junge Muslimas, bei denen der Verzicht auf tierische Gelatine eine bedeutende Rolle spielt." Anfang des Jahres hatte bereits der Beautykonzern L'Oreal mit dem hijabtragenden Model Amena Khan viel positives Feedback für eine Shampoo-Werbung bekommen. Auch der Laufsteg-Auftritt von Model Halima Aden mit Kopftuch rief eine Welle der Begeisterung hervor. Ähnliches erhoffte man sich möglicherweise bei Katjes.   

Aber während Amena Khan und Halima Aden tatsächlich Muslima sind und im Alltag Hijab tragen, ist das Katjes-Model Vicenca Petrovic serbischer Herkunft und christlich-orthodoxen Glaubens. Deshalb äußern sich Menschen weltweit kritisch zu den Anzeigenmotiven und stellen die Glaubwürdigkeit der Kampagne infrage: "Warte, sie nehmen eine nicht-muslimische, nicht-Hijab-tragende serbische Frau, um eine Hijab-tragende Muslima zu repräsentieren?", schrieb ein User bei Instagram. Eine andere Userin machte es noch kürzer: "Das muss ein Witz sein, oder?".  

Gute Idee, aber

Petrovic ist 1996 geboren und arbeitet seit sieben Jahren als professionelles Model. Auf ihren Social-Media-Profilen zeigt sich die 1,77 m große Brünette gern leicht bekleidet und modisch immer up to date. Sie selbst verteidigt sich auf ihrem Instagramprofil gegen diese Vorwürfe: "Es ist mein Job und ich kann Mädchen motivieren stärker zu sein als andere." Sie wolle "ein Gleichgewicht" herstellen "zwischen allen Frauen der Welt, egal wie man aussieht oder was man trägt oder welche Religion man hat."

Marketing-Experte Oliver Drost findet die Idee prinzipiell gut und clever, mit einem kopftuchtragenden Model für vegane, und damit halal-geeignete Lebensmittel zu werben. Gleichzeitig sei jedoch eine Diskussion erwartbar, und dann müsse eine Kampagne standhalten und dürfe nicht "als Fake entlarvt werden".

In einer Branche, in der Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit die beiden wichtigsten Währungen sind, hat die Kampagne deshalb nicht restlos überzeugt. Zur Glaubwürdigkeit trägt ein nicht-mulimisches, kopftuch-tragendes Model nicht bei, sagt Marketing-Experte Drost. Aufmerksamkeit erfährt Katjes mit der aktuellen Kampagne dagegen allemal. Und Model Vincenca Petrovic, deren Namen vorher kaum jemand kannte, erfreut sich trotz der Kritik steigender Follower-Zahlen und Interaktion auf ihren Social Media-Kanälen.

Quelle: n-tv.de