Panorama

Ausnahmesituation im Norden Kiel gibt Problemwolf zum Abschuss frei

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Ein Wolf mit der Kennung "GW 924m" soll mehrere Schafe gerissen haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. Einzelne Tiere dürfen nur in Ausnahmesituation getötet werden. In Schleswig-Holstein ist dieser Fall eingetreten: Ein Rüde lässt sich auch von wolfssicheren Zäunen nicht stoppen.

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat einen Wolf zum Abschuss freigegeben, der mehrere Schafe hinter wolfssicheren Zäunen gerissen hatte. "Nach intensiver Prüfung halten wir dieses Vorgehen im vorliegenden Fall für erforderlich", teilt Umweltminister Jan Philipp Albrecht von den Grünen mit. "Diese Aufgabe ist doppelt schwer - weder schön, noch einfach."

Im Kreis Pinneberg sind seit Ende November acht Schafe gerissen worden. In allen Fällen waren die Tiere durch als wolfssicher geltende Zäune geschützt. Für sechs der acht Risse soll der Wolf mit der Kennung "GW 924m" verantwortlich sein. Der Rüde soll zudem mehrere Schafe außerhalb von wolfssicheren Zäunen gerissen haben.

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Das aktuelle Wolfsverkommen: Grüne Kästchen stehen für einen Nachweis durch Fotos oder DNA-Proben oder mindestens drei Hinweise (etwa dokumentierte Spuren), die unabhängig voneinander erbracht wurden. Eine bloße Sichtung gilt nicht als Hinweis.

(Foto: Bundesamt für Naturschutz (BfN))

Der Rüde stammt aus Dänemark. Seit Juni 2018 hält er sich nachweislich in Schleswig-Holstein. Laut dem Umweltministerium liegen 17 genetische Einzelnachweise von dem Wolf vor. Hinweise auf andere Wölfe in der Region seien nicht bekannt. Das Ministerium rechnet mit Klagen gegen den Abschuss.

Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Einzelne Tiere dürfen nur dann getötet werden, wenn von ihnen eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder großer wirtschaftlicher Schaden durch sie zu erwarten ist. Anfang 2018 war in Sachsen ein Wolf erschossen worden, der zwei Hunde getötet und sich mehrfach Grundstücken genähert haben soll. In Niedersachsen war 2016 ein sogenannter Problemwolf getötet worden. Er hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil er sich immer wieder Menschen bis auf wenige Meter genähert hatte und auch einen angeleinten Hund gebissen haben soll. Versuche, diesen Wolf zu vergrämen, waren fehlgeschlagen.

Keine Rudel in Schleswig-Holstein

Wölfe waren in Deutschland zwischenzeitlich ausgerottet. Seit knapp 20 Jahren breiten sie sich hierzulande wieder aus. Inzwischen sind bundesweit mehr als 70 Rudel sowie 30 Paare und 3 Einzeltiere nachgewiesen. Die meisten leben im Osten Deutschlands. Gegen die Präsenz der Wölfe machen vor allem Nutztierhalter seit Jahren mobil.

In Schleswig-Holstein wurde nach Behördenangaben erstmals 2007 wieder ein Wolf nachgewiesen. Demnach halten sich dort einzelne Tiere auf, die sich mutmaßlich auf Wanderung befinden. Von Rudeln ist nichts bekannt.

Quelle: ntv.de, chr/dpa/AFP

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