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Geldzahlungen für Betroffene Kirche prüft Umgang mit Missbrauchsopfern

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Eröffnungsgottesdienst bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Lingen.

(Foto: dpa)

Missbrauchsopfer können von der katholischen Kirche bisher nur finanzielle Entschädigung erwarten. Nach anhaltender Kritik reagiert die Kirche in Deutschland - und stellt ihr Modell der Wiedergutmachung infrage.

Die katholische Kirche in Deutschland stellt ihr bisheriges Modell von Geldzahlungen an Betroffene sexuellen Missbrauchs infrage. Das Verfahren solle von unabhängigen Experten begutachtet werden, sagt der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Lingen.

Die Überprüfung ist demnach ein Ergebnis von Beratungen mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig. Ackermann verweist darauf, dass trotz der Kritik immerhin 1900 Anträge auf Geldzahlungen eingegangen seien. "Das System steht im Moment schlechter da, als es ist", sagt der Bischof. Allerdings räumt er auch Schwächen des kirchlichen Modells ein. "Es wirkt auch intransparent, das gebe ich zu." Deshalb solle nun "in aller Offenheit" ausgewertet werden.

Betroffene des sexuellen Missbrauchs können über ihre Diözese oder einen kirchlichen Orden einen Antrag auf eine Geldzahlung wegen des entstandenen Leids durch sexuellen Missbrauch stellen. Eine sogenannte zentrale Koordinierungsstelle spricht nach dem Antrag eine Empfehlung über die Höhe der Leistung aus.

Die Prüfung des Entschädigungsmodells dürfte eine Reaktion auf die anhaltende Kritik am Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch sein. Der ranghöchste Geistliche, der jemals wegen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde, ist Kardinal George Pell. In Melbourne wurde der ehemalige Finanzchef des Vatikans zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Quelle: n-tv.de, psc/afp

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