Panorama

"Klimaschutz diffamiert" "Klimahysterie" ist Unwort des Jahres

49245423.jpg

Trotz unübersehbarer Zeichen werden von etlichen die "Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und Debatten diskreditiert".

(Foto: picture alliance / dpa)

Die wachsende Sensibilität für die gewaltigen Folgen des Klimawandels schlägt sich auch in der Sprache nieder. Der Begriff "Klimahysterie" wird zum "Unwort des Jahres" gewählt.

Der Begriff "Klimahysterie" ist "Unwort des Jahres 2019". Das gab eine Jury aus Sprachwissenschaftlern der Technischen Universität in Darmstadt bekannt. Mit dem Wort würden "Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und Debatten diskreditiert", erklärte die Jury zur Begründung. Zudem würden "wissenschaftsfeindliche Tendenzen" gestützt. Das Wort pathologisiere das zunehmende Engagement für den Klimaschutz pauschal "als eine Art kollektiver Psychose". Der Begriff war im vergangenen Jahr insbesondere von AfD-Politikern immer wieder in der politischen Debatte genutzt worden.

Die Jury kritisierte neben dem Wort "Klimahysterie" auch die Begriffe "Umvolkung" und "Ethikmauer". Ersterer erlangte 2019 durch ein ZDF-Interview mit dem AfD-Parteichef Tino Chrupalla größere Aufmerksamkeit. Bei "Umvolkung" handle es sich um einen "Schlüsselbegriff einer rechtsextremen Verschwörungstheorie", erklärte die Jury. Diese Theorie behaupte, es gebe einen geheimen Plan der Eliten, die Mehrheitsbevölkerung in Europa durch muslimische Flüchtlinge und andere nicht weiße Einwanderer auszutauschen.

Die Theorie sei fester Bestandteil der Ideologie der AfD und Grundlage für ein politisches Programm, dass zugewanderte Menschen diskriminiere. Sie habe auch dem Attentäter von Christchurch in Neuseeland als Legitimationsgrundlage für seinen Anschlag auf zwei Moscheen mit 51 Toten gedient.

Missachtung von gesellschaftlichen Debatten

"Ethikmauer" diskreditiere moralisch-ethische Argumentationen als "naive Fortschrittsverweigerung", urteilten die Sprachwissenschaftler. Der Begriff sei in einem Kommentar der "Welt" zu einer Meldung über japanische Forschungen zur Züchtung menschlicher Organe in Tieren zu therapeutischen Zwecken verwendet worden. Der Begriff negiere, "auf welch hohem ethischen Niveau in der Gesellschaft um grundsätzliche Zukunftsfragen gerungen" werde.

Nach Angaben der sprachkritischen Aktion waren 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen eingereicht worden. Standen jahrelang Flüchtlingspolitik und Migration im Fokus, rücken nun Ökologie und Klimadebatte mehr in den Mittelpunkt, hieß es schon vor der Bekanntgabe. "Klimahysterie" wurde neunmal als Vorschlag eingesandt.

Die sprachkritische Aktion möchte mit ihrem alljährlichen "Unwort" auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Im vergangenen Jahr war der Ausdruck "Anti-Abschiebe-Industrie" zum Unwort gekürt worden. Der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Alexander Dobrindt, hatte den Begriff geprägt.

*Datenschutz

Die Jury besteht aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einem Journalisten. Die Jury wird im jährlichen Wechsel durch ein weiteres sprachinteressiertes Mitglied aus dem Bereich des öffentlichen Kultur- und Medienbetriebes ergänzt. In diesem Jahr war der Kabarettist Urban Priol an der Auswahl beteiligt. 2019 lagen insgesamt 671 Einsendungen vor, die sich auf 397 verschiedene Ausdrücke bezogen, von denen wiederum nur knapp 50 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen.

Quelle: ntv.de, sba/AFP