Panorama

Thüringen verlegt Covid-Kranke Kliniken in Jena und Greiz vor dem Kollaps

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Schwerkranke Covid-Patienten aus der Uni-Klinik Jena müssen nach Bayern oder Norddeutschland verlegt werden.

(Foto: imago images/VIADATA)

Im Dezember müssen die Kliniken in Thüringen erstmals den Notstand ausrufen und Covid-19-Kranke in andere Bundesländer verlegen. Nun ist es wieder so weit: Die Krankenhäuser in Jena und dem Hotspot-Landkreis Greiz stehen erneut vor der Überforderung.

Fünf nach einer Corona-Infektion schwer an Covid-19 erkrankte Menschen aus Thüringen sollen auf Intensivstationen anderer Bundesländer verlegt werden. Die Patienten aus dem Uni-Klinikum Jena und dem Krankenhaus Greiz sollen in Kliniken in Bayern und in Norddeutschland gebracht werden, sagte Professor Michael Bauer, Chefarzt der Jenaer Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Gespräche zwischen den Kliniken liefen, die Angehörigen der Patienten würden informiert.

Nach dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) liegen derzeit 220 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen von Thüringer Krankenhäusern. Davon werden 128 invasiv beatmet. 638 von 701 im Freistaat betreibbaren Intensivbetten sind demnach belegt. 63 Betten sind frei, davon sind 29 spezifisch für die Behandlung von Covid-19-Kranken ausgestattet. Bereits zum Jahresende 2020 waren einzelne Covid-19-Patienten aus Thüringen nach Niedersachsen verlegt worden, inzwischen ist die Lage ähnlich dramatisch wie auf dem Höhepunkt der zweiten Pandemiewelle.

Inzidenz in Thüringen steigt auf 259

Das Robert-Koch-Institut meldete für Thüringen 1190 neue Corona-Infizierte binnen 24 Stunden. Damit steigt der Sieben-Tage-Wert im Freistaat auf 259,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Besonders angespannt ist die Situation im Landkreis Greiz, der mit einer Inzidenz von 532,9 hinter dem bayerischen Landkreis Hof bundesweit am zweitstärksten betroffen war. Damit ist Thüringen weiterhin das am stärksten betroffene Bundesland in Deutschland - noch vor Sachsen, wo die Inzidenz bei 235,3 liegt. Alle anderen Bundesländer bleiben noch unter 200.

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen in ganz Deutschland warnte ein Intensivmediziner der Berliner Charité vor einer Überlastung des Gesundheitssystems zulasten von Patienten mit anderen Krankheiten. In einigen Regionen gebe es nur noch zehn Prozent freie Kapazitäten, sagte Steffen Weber-Carstens. "Was bedeuten zehn Prozent? Die durchschnittliche Größe der Intensivstationen ist zehn bis zwölf Betten. Das bedeutet: pro Intensivstation genau ein Bett". Dies werde auch vorgehalten für Patienten zum Beispiel mit Schlaganfall oder Unfällen - und für Covid-19-Patienten. "Das ist die Situation, wie sie im Moment ist." "Wir brauchen jetzt an dieser Stelle eine Kontrolle der Infektionsdynamik. Sonst werden wir das in Zukunft auf den Intensivstationen nicht mehr adäquat leisten können", sagte der Mediziner. Im Moment laufe man "sehenden Auges in eine Spitzenbelastung" wie es sie zum Jahreswechsel gegeben habe oder noch darüber hinaus.

Bislang sei das "Absaufen" des Gesundheitssystems vermieden worden. Patienten würden von stark belasteten Regionen bereits in andere Regionen umverteilt. Auch Weber-Carstens, der zur wissenschaftlichen Leitung des DIVI-Intensivregisters gehört, verwies auf die Verlegungen in Thüringen. Dass viele Kliniken bereits wieder planbare Eingriffe verschöben, bedeute auch für Nicht-Covid-19-Patienten eine erhebliche Einschränkung der Versorgung.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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