Panorama

Zuckerguss und glatte Straßen Kommt der Winter nun doch zurück?

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Auch am Montag könnte es auf den Straßen glatt werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer nach den milden Temperaturen der vergangenen Wochen mit einem frühzeitigen Frühlingserwachen gerechnet hat, dürfte jetzt enttäuscht werden. Denn mit Schneeregen und glatten Straßen meldet sich am Wochenende der Winter zurück, wie ntv-Meteorologe Björn Alexander verrät.

ntv.de: Der Januar ist schon zur Hälfte rum und irgendwie scheint es der Winter aufgegeben zu haben. Stimmt das?

Björn Alexander: Den Winter jetzt schon ad acta zu legen, ist in etwa so, als würde man am 15. Juli sagen, dass der Sommer keine Chance mehr hat. Und auch bei der kurzfristigen Weiterentwicklung gilt: jetzt wird es erst einmal kälter und der Frühling macht Pause.

Wie viel zu warm war es denn eigentlich?

Zuvor bewegten wir uns am oberen Ende der Möglichkeiten in einem Januar. Das galt besonders in Teilen Norddeutschlands, wo es zur Wochenmitte stellenweise die wärmste Januarnacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab - zum Teil mit Tiefstwerten nicht unter 10 Grad - und anschließend auch tagsüber am Mittwoch mit Werten bis 15 Grad neue Rekorde fielen. So weit nach Norden kommt die Warmluft im Winter definitiv äußerst selten.

Was sagt denn die Halbzeitbilanz des Januars?

Insgesamt sind wir ebenfalls auf Rekordniveau. Momentan mit einer positiven Temperaturabweichung von rund 5 Grad. Am heftigsten ist die Abweichung im Nordosten und auf der Zugspitze. Hier war die erste Januarhälfte gut 6 Grad zu warm. Damit bewegen wir uns auf dem Niveau des bisher wärmsten Januars. Den gab es im Jahr 2007. Am Ende mit einer positiven Abweichung von 5,1 Grad.

Wie sieht es in Sachen Regen und Sonne aus?

Vor allem die Nordhälfte wurde immer wieder von Tiefausläufern überquert. Somit war es wiederholt wechselhaft und windig bis stürmisch. Zuletzt auch mit einer Sturmflut an der Nordsee. Dementsprechend ist die Regenbilanz im Norden recht ausgeglichen und die Wolken schränkten die Sonnenbilanz arg ein. Im Süden zeigte sich ein ganz anderes Bild. Viel Sonne und kaum Regen oder Schnee.

Das sah genau vor einem Jahr ganz aus. Wie kann das sein?

Der Januar hat eine große Spanne. Höchstwerte von 15 bis 20 Grad stehen nächtlichen Rekordwerten von unter minus 20 Grad entgegen. Nimmt man die Spanne zwischen den tiefsten und den höchsten Januar-Rekorden, dann kommt man locker auf über 50 Grad. Dementsprechend groß sind die möglichen Wettererscheinungen. Jedoch könnte die derzeitige Trockenheit auch noch zum Problem werden.

Warum?

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Wetterexperte Björn Alexander stellt mindestens eine Pause des Früh-Frühlings in Aussicht.

Weil jetzt die Grundlage für den Wasserhaushalt des Frühjahres bis in den Sommer hinein gelegt wird. Und diese Grundlage ist enorm wichtig. Zumal die Trockenheit in den tieferen Bodenschichten zwischen ein und zwei Meter besonders im Osten nach wie vor groß ist. Das sind weiterhin die Nachwehen der vergangenen zwei Jahre.

Aber eine Umstellung ist in Sicht, oder?

So ist es - zumindest vorübergehend. Das Wochenende wird nämlich auch im Süden wechselhafter mit Schauern. Das sind zwar nicht die ganz großen Mengen. Aber eine Umstellung der Wetterlage ist im Sinne des Wasserhaushalts natürlich so oder so günstig.

Wer bringt die Kälte zu uns?

Grund ist Tief "Heike". Das zieht momentan von den Britischen Inseln nach Skandinavien und lässt auf seiner Rückseite Kaltluft polaren Ursprungs zu uns wehen. Die ist durch den Atlantik leicht angewärmt. Dennoch erwarten uns an den freien Tagen maximal noch 0 bis 8 Grad und nachts wird es immer häufiger frostig.

Wie viel Schnee erwartet uns?

Wie gesagt: Die ganz großen Mengen wird uns auch diese Nordwestlage nicht bringen. Aber ein paar Zentimeter Schnee sind in den höheren Lagen schon drin. Hier reicht es für einen Zuckerguss, der auch mit glatten Straßen einhergehen kann.

Ab welcher Höhe?

Die Schneefallgrenze bewegt sich am Samstag bei etwa 300 Metern. Darunter bringt das Schauerwetter meist Regen oder Schneeregen. Dazu am Samstag oft 1 bis 8 Grad. Der Sonntag ist nochmals etwas kühler bei Höchstwerten zwischen 0 Grad an den Alpen sowie im Erzgebirge und 8 Grad im Emsland. Und mit ähnlichen Temperaturen geht es dann auch in der nächsten Woche weiter.

Was macht die Sonne? Welches wird der schönere Tag des Wochenendes?

Das dürfte der Sonntag werden. Denn am Samstag sieht es insgesamt doch ziemlich mau in Sachen Sonnenschein aus, nur der Norden bekommt die Sonne länger zu sehen. Der Sonntag bringt dann besonders in der Nordwesthälfte deutliche Aufwärtstrends mit 2 bis 5 Sonnenstunden. Richtung Südosten und Süden ist es wolkiger mit ein paar Schnee- oder Schneeregenschauern. Besonders in den Staulagen der Berge. Und hier müssen Sie nach wie vor mit Glätte rechnen.

Wie geht es in die neue Woche? Insbesondere mit dem Blick auf den Berufsverkehr am Montag.

In der Nacht zum Montag klingen die Schauer immer häufiger ab. Insofern passiert beim Thema Schneeglätte nicht allzu viel. Jedoch erwartet uns verbreitet Frost oder Bodenfrost und damit müssen wir uns streckenweise auf Reifglätte einstellen. Stellenweise vielleicht auch noch auf Glätte durch gefrierende Nässe.

Was bringt uns die neue Woche noch?

Zuerst einmal tagsüber öfter Sonne und nachts weiterhin frostige Werte. Es bleibt nämlich beim Hochdruckeinfluss. Frühestens ab der Wochenmitte könnte es wechselhafter werden. Die Temperaturen bewegen sich hierbei tagsüber meistens bei 1 bis 8 Grad.

Quelle: ntv.de