Panorama

Schlägereien und Pyrotechnik Krawalle nach "Querdenken"-Demo in Leipzig

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Nach der Auflösung der Demo griffen Demonstranten Polizisten an, sie warfen Gegenstände und zündeten Pyrotechnik.

(Foto: picture alliance/dpa)

20.000 "Querdenker" demonstrieren am Mittag in Leipzigs Innenstadt. Die Auflösung der Veranstaltung wegen Verstößen gegen die Versammlungsauflagen wollen viele Demonstranten jedoch nicht akzeptieren - und greifen Polizisten und Journalisten an. Am Hauptbahnhof kommt es zu Schlägereien mit Gegendemonstranten.

Im Leipziger Stadtteil Connewitz haben die Krawalle bis in die Nacht hinein angedauert. Die Polizei sehe sich mit "massiven Bränden" von Barrikaden konfrontiert, die von Demonstranten gelegt worden seien, sagte eine Sprecherin der Leipziger Polizei am. Die Polizei habe Wasserwerfer eingesetzt, allerdings nicht gegen die Demonstranten, sondern zur Löschung der Brände. Die Feuerwehr habe sich zurückziehen müssen, weil die Lage für sie zu gefährlich geworden sei.

Wie viele Demonstranten vor Ort waren, konnte die Sprecherin nicht sagen. Zuvor hatte die Polizei bereits mitgeteilt, dass am Abend drei Polizisten durch Steinwürfe verletzt worden seien. Zudem wurden demnach Einsatzfahrzeuge beschädigt. Die Steine sowie auch Pyrotechnik seien aus den Reihen einer Spontandemonstration geworfen worden, die sich im Zusammenhang mit der Festnahme einer mutmaßlichen Linksextremistin gebildet hatte. Die am Donnerstagnachmittag in Leipzig festgenommene Frau wird nach Angaben der Bundesanwaltschaft verdächtigt, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein.

Tausende Demonstranten hatten sich der Auflösung der "Querdenken"-Demonstration widersetzt. Sie marschierten am Abend auf dem Innenstadtring. Wenige Polizisten begleiteten den Zug. Im Bereich des Hauptbahnhofes sei eine Sperre geöffnet worden, teilte die Polizei auf Twitter mit. "Teilnehmer der ehemaligen Versammlung führen einen von der Versammlungsbehörde als verbotenen einklassifizierten Aufzug durch." An Absperrungen sei es zu "zahlreichen Übergriffen" auf Polizisten gekommen. Einige der Demonstranten skandierten "Frieden, Freiheit, keine Diktatur" und "Merkel muss weg". Es kam zu mehreren körperlichen Auseinandersetzungen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Am Nachmittag hatten Teilnehmer am Ort der Kundgebung am Augustusplatz Böller und Raketen gezündet. Am Hauptbahnhof kam es zu kleineren Schlägereien zwischen Teilnehmern der Demo und Gegendemonstranten, Polizisten gingen dazwischen. Auf Twitter berichtete die Polizei von Angriffen auf die Einsatzkräfte. "Wiederholt werden Einsatzkräfte in #Leipzig attackiert. Unterlassen Sie das Zünden von Pyrotechnik und den Bewurf mit Gegenständen!" Gegen Straftäter werde man konsequent vorgehen.

Angriffe auf Journalisten

Offenbar ist es auch zu Attacken gegen Journalisten gekommen, wie die Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) mitteilte. In einer ersten Bilanz sprach Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer der DJU Berlin Brandenburg, von mindestens 32 Journalisten, die von "körperlichen Angriffen und Behinderungen betroffen" seien, wie er auf Twitter schrieb. Die Attacken seien im Wesentlichen von Teilnehmern der "#Coronaleugner Demo" ausgegangen, so Reichel. "Unsere Befürchtungen, es könne im Rahmen der Demonstrationen erneut zu Anfeindungen und Androhungen von Gewalt gegenüber Journalistinnen und Journalisten kommen, haben sich leider bewahrheitet", teilte Tina Groll, Vorsitzende der DJU in Verdi mit.

Zuvor hatte die Stadt Leipzig die Kundgebung mit nach Polizeiangaben 20.000 Teilnehmern aufgelöst, da die größtenteils gegen die Versammlungsauflagen verstoßen hatten. Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, 90 Prozent der Teilnehmer habe keinen Mund-Nase-Schutz. Ein Gericht hatte am Morgen die zulässige Teilnehmerzahl auf 16.000 begrenzt. Beobachter gingen davon aus, dass insgesamt weit mehr als die 20.000 von der Polizei gezählten Teilnehmer nach Leipzig gekommen waren.

Sachsens Innenminister Roland Wöller kritisierte die Entscheidung des sächsischen Oberverwaltungsgericht, die Demo überhaupt stattfinden zu lassen. "Es ist unverantwortlich, eine solche Versammlung mit mehr als 16.000 Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie in der Leipziger Innenstadt zuzulassen", sagte Wöller. Die Einhaltung der Infektionsschutzauflagen sei so von vornherein unmöglich gewesen. Die Entscheidung der Stadt, die Versammlung nach gut zweieinhalb Stunden aufzulösen, sei daher richtig gewesen. "Die Corona-Pandemie lässt sich nicht mit der Polizei oder polizeilichen Maßnahmen bekämpfen, sondern nur mit Vernunft aller", sagte Wöller.

Quelle: ntv.de, jhe/hek/dpa