Panorama

Machen Beschränkungen aggressiv? Kriminologe: Corona Mitschuld an Krawallen

Wie die Polizei sieht auch der Kriminologe Christian Pfeiffer keine politischen Motive hinter den Ausschreitungen in einer Einkaufsstraße in Stuttgart. Vielmehr hingen die Krawalle mit den Corona-Beschränkungen der vergangenen Wochen zusammen.

Der Kriminologe und frühere SPD-Justizminister Niedersachsens, Christian Pfeiffer, sieht in den Coronavirus-Beschränkungen eine Ursache für die Krawalle in Stuttgart. "Da ist viel aufgestauter Ärger vorhanden", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Wir haben viele Verlierer durch Corona." Hinzu komme, dass die Leute mehrere Wochen wie eingesperrt gewesen seien, wenn man es mit dem uns sonst vertrauten Leben vergleiche. "Menschen, die eingesperrt waren, sind aggressiver", sagte er.

Die Einordnung der Straftäter in eine "Partyszene" durch die Polizei hält Pfeiffer für problematisch. Das Wort sei für die Beschreibung der Randalierer ein sehr unglücklicher Ausdruck, meinte er. Wie die Stuttgarter Polizei sieht auch Pfeiffer keine politischen Motive hinter den Ausschreitungen.

"Mit Wut wegen des vermeintlichen Rassismus der Polizei in Stuttgart haben die Ausschreitungen nichts zu tun", sagte er. "Die Stuttgarter Polizei ist nicht rassistisch. Unsere Polizei unterscheidet sich deutlich von der amerikanischen." Pfeiffer war von 2000 bis 2003 niedersächsischer Justizminister für die SPD. Danach war er bis 2015 Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

In der Nacht zum Sonntag hat es in Stuttgart schwere Ausschreitungen gegeben. Laut Polizei beteiligten sich bis zu 500 Personen an den Krawallen. 24 wurden vorläufig festgenommen. 19 Polizisten wurden verletzt. 40 Geschäfte wurden nach Polizeiangaben beschädigt, neun geplündert.

Quelle: ntv.de, jki/dpa