Panorama

Heftige Kritik an Minister Kurvige Uganderinnen sollen Tourismus ankurbeln

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Mit seinem Vorschlag, mit der Schönheit der Frauen zu werben, hat sich Ugandas Tourismusminister viel Kritik eingefangen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ugandas Tourismusminister will mit Frauenhintern Touristen anlocken. Das sorgt für einen großen Aufschrei im Land, besonders bei Frauenrechtlerinnen. Anlass für die umstrittene Idee des Politikers ist ein Schönheitswettbewerb.

Neben Wasserfällen, Wildtieren und Nationalparks steht seit vergangener Woche noch eine weitere Attraktion auf der Liste der touristischen Höhepunkte von Uganda: kurvige Frauen mit breiten Hüften und ausladenden Hintern. Passend dazu eröffnete Ugandas Tourismusminister Godfrey Kiwanda die nationale Tourismuswoche umringt von acht korpulenten Frauen in bunten Kleidern.

"Wir haben hübsche Frauen, die wirklich fantastisch anzusehen sind", erklärte Kiwanda seine Initiative, bald einen Schönheitswettbewerb für kurvige Frauen in Uganda abhalten zu wollen. "Warum nutzen wir sie nicht als Strategie, um für den Tourismus zu werben?"

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Quiin Abenakyo (2.v.l.) bei der Wahl zur "Miss World 2018" in China.

(Foto: Stringer - Imaginechina)

Das kleine ostafrikanische Land bemüht sich, mehr internationale Urlauber anzulocken und sich gegen die Konkurrenz der Nachbarländern Kenia und Tansania, die im ostafrikanischen Safari-Tourismus führend sind, durchzusetzen. Im vergangenen Jahr hat Ugandas 23-jährige Schönheitskönigin Quiin Abenakyo beim internationalen Schönheitswettbewerb in China den Preis als "Miss World Africa" gewonnen. Das wolle er jetzt nutzen, sagt der Minister. "Ugandas Tourismus ist mehr als nur Tiere."

Großer Aufschrei

Die Aktion hat landesweit für einen enormen Aufschrei gesorgt. Nicht nur Frauenrechtsorganisationen und Aktivistinnen schlugen Alarm. Auch Ugandas Erzbischof sprach sich gegen den geplanten Curvy-Wettbewerb aus: Nachdem die Kirchen des Landes in den vergangenen Jahren die Bildung der Frauen gefördert hätten, würde ein solcher Wettbewerb nun die Würde der Frau untergraben, so Stanley Ntagali.

Tourismusminister Kiwanda pilgert dieser Tage im Rahmen der nationalen Tourismuswoche durch das Land: Er besucht die Wasserfälle am Nil und die vielen Nationalparks. Eigentlich sollte ihn die "Miss Africa" Abenakyo begleiten. Doch die hat abgesagt: "Sie fühlt sich nicht gut", erklärte Brenda Nanyonjo, Direktorin der Miss-Uganda-Stiftung.

Im Internet machen nun die Frauen mobil: Knapp 3000 Uganderinnen haben bereits eine Online-Petition unterzeichnet, um die Werbekampagne zu stoppen. "Diese Leute betrachten uns als Objekte und reduzieren uns Frauen auf nichts", heißt es in der Begründung der Petition. "In einem Land, in dem Frauen von Männern auf der Straße betatscht werden, wird das jetzt auch noch legalisiert, indem die Frauen zu Touristenattraktionen gemacht werden, das ist nicht fair", heißt es weiter. Die Forderung: Kiwanda soll sich öffentlich entschuldigen.

Ugandas Frauen-Netzwerk (UWONET) fordert dem Minister in einer Erklärung zum Rücktritt auf. Weiter heißt es: "Die Regierung muss klar und deutlich erklären, dass sie sich nicht mit der Kampagne des Ministers gemein macht."

"Habe nichts mit der Kampagne zu tun"

Letztlich wurde das Thema in Tageszeitungen, TV- und Radio-Talkshows so heiß debattiert, dass sich Präsident Yoweri Museveni einmischen musste. Normalerweise hat der 74-Jährige, der seit 33 Jahren an der Macht ist, stets das letzte Wort in sämtlichen Entscheidungsprozessen im Land. Er versicherte, er habe mit dieser Touristenkampagne nichts zu tun, sondern aus den Medien davon erfahren. Doch er unterstütze sie. Die KritikerInnen bezichtigte er in einer Rede als "hohle Köpfe", die "selbstverliebt" nur "seichte Argumente" vorweisen können. Er verteidigt seinen Minister: Er sei nach der Nominierung der Uganderin Abenakyo zu "Miss Africa" "kreativ" gewesen, Ugandas Frauen auch für den Tourismussektor nutzen zu wollen.

Für die Frauenrechtlerinnen des Landes ist es eine schmerzhafte Niederlage. Immerhin galt Uganda einmal als eines der Vorbildländer auf dem afrikanischen Kontinent in Sachen Frauenrechte. Jeder Wahlbezirk wird im Parlament von mindestens einer weiblichen Abgeordneten vertreten. Den Parlamentsvorsitz hat eine Frau, immerhin die drittmächtigste Person im Land. In der Praxis werden dennoch oft frauenfeindliche Gesetze oder Initiativen gestartet, meist mit Hilfe der einflussreichen Kirchen. Berühmt geworden ist 2014 das sogenannte "Anti-Minirock"-Gesetz, das Frauen vorschreibt, Röcke bis über das Knie und keine aufreizende Kleidung zu tragen.

Ugandas Frauen für den Tourismus zu vermarkten, birgt nun das Risiko, vor allem Sex-Touristen in das Land zu locken, warnen Aktivistinnen auf den Plattformen der sozialen Medien. Auf Facebook teilten ugandische Frauen Fotos aus der Kolonialzeit von den sogenannten "Menschenzoos" in Europa: Bereits damals wurden dort Frauen mit besonders großen Hinterteilen als Attraktion angepriesen.

Quelle: n-tv.de

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