Panorama

Nach Kollision bei SingapurLeichen in "USS John S. McCain" gefunden

22.08.2017, 16:01 Uhr
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Bei der Pressekonferenz vor der beschädigten "McCain" konnte Admiral Scott Swift die genaue Zahl der Toten nicht nennen. (Foto: picture alliance / Wong Maye-E/A)

Ein US-Kriegsschiff kollidiert mit einem Tankschiff östlich von Singapur. Zehn Seeleute werden vermisst. Einen Tag nach dem Unglück bestätigt sich nun die traurige Vermutungt: Mehrere Soldaten sind bei dem Zusammenstoß ums Leben gekommen.

Bei dem Zusammenstoß eines US-Kriegsschiffs mit einem Öltanker vor Singapur sind mehrere US-Soldaten ums Leben gekommen. Im Schiffsbauch des Lenkwaffenzerstörers "USS John S. McCain" entdeckten Taucher mehrere Leichen. Der Kommandant der amerikanischen Pazifikflotte, Admiral Scott Swift, äußerte sich aber nicht näher dazu, wie viele Tote gefunden wurden. Offiziell werden immer noch zehn US-Soldaten vermisst.

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"USS John S. McCain" wurde bei der Kollision schwer beschädigt. (Foto: picture alliance / Mass Communic)

Die "McCain" liegt mittlerweile im Hafen von Singapur, wohin sie sich nach dem Zusammenstoß am Montag noch aus eigener Kraft retten konnte. An der Backbordseite klafft ein drei Meter großes Loch. Im Inneren des Schiffes sind mehrere Räume überflutet, die am Dienstag von Spezialtauchern abgesucht wurden. Dort wurden auch die Leichen gefunden. Vermutet wird, dass die Soldaten von dem Zusammenstoß im Schlaf überrascht wurden und sich nicht mehr retten konnten.

Admiral Scott berichtete zudem davon, dass malaysische Schiffe in der Nähe des Unglücksorts eine weitere Leiche geborgen hätten. Im Moment werde noch geprüft, ob es sich dabei tatsächlich um einen der Soldaten der "McCain" handele. Große Zweifel daran gibt es nicht. Mehr als 36 Stunden nach dem Unglück besteht nach Einschätzung von Experten praktisch keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden.

Keine Verletzten auf dem Tanker

Die Kollision ereignete sich am Montag um 5.24 Uhr Ortszeit (23.24 Uhr Sonntag MESZ) östlich der Straße von Malakka, einer Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien. Die "McCain" prallte dort mit dem Öltanker "Alnic MC" zusammen, der unter der Flagge Liberias fährt. Der Zerstörer mit 238 Soldaten Besatzung kam noch aus eigener Kraft bis nach Singapur. Auf Fotos ist der Schaden am hinteren Backbordbereich des 154-Meter-Schiffs - also links hinten - aber deutlich zu erkennen. Für die "Alnic MC" ging die Sache glimpflicher ab. Auf dem 183-Meter-Tanker wurde niemand verletzt.

Der 25 Jahre alte Lenkwaffenzerstörer gehört zur siebten Flotte der US-Marine. Stationiert ist sie in Yokosuka in Japan. Den Namen hat die "McCain" vom Vater und dem gleichnamigen Großvater des US-Senators John McCain: John S. McCain Junior und Senior, beides Admirale. McCain twitterte noch in der Nacht: "Cindy und ich schließen Amerikas Seeleute an Bord der USS John S McCain in unsere Gebete ein." McCains Frau Cindy ist Taufpatin des Schiffes. Wenig später teilte dann auch US-Präsident Donald Trump bei Twitter mit, dass er in "Gedanken und Gebete" bei den Soldaten sei.

Viertes Unglück der US-Marine in diesem Jahr

Die Kollision des Zerstörers ist das zweite derartige Unglück innerhalb von zwei Monaten. Am 17. Juni war der US-Zerstörer "USS Fitzgerald" vor der japanischen Küste mit einem Containerschiff zusammengestoßen, sieben Seeleute kamen ums Leben. Das US-Kriegsschiff wurde bei dem Unfall schwer beschädigt. Zwei weitere Unglücke der US-Marine in diesem Jahr gingen glimpflich ab.

Flottenkommandant Swift sagte: "Jeder dieser vier Zwischenfälle ist einzigartig. Aber sie können nicht getrennt voneinander betrachtet werden." Die Marine werde jetzt ermitteln, ob es einen "gemeinsamen Grund" gibt. "Und wenn das so ist, müssen wir klären, wie wir das regeln können." Dies sei die Armee auch den toten Seeleuten und ihren Familien schuldig. Wegen des neuen Unglücks hatte die US-Navy zuvor die Aktivitäten der gesamten Flotte für einen Tag weltweit ausgesetzt.

"Ich habe eine weltweite Einsatzpause für unsere weltweite Flotte angekündigt", teilte US-Marine-Chef John Richardson mit. "Ich möchte, dass unsere Flottenkommandeure mit ihren Befehlshabern zusammenkommen und sicherstellen, dass wir weltweit alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen."

Quelle: uzh/dpa

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