Panorama

Frau und Kind sterben im Schnee Lösten Deutsche eine tödliche Lawine aus?

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Die Gruppe soll Schilder ignoriert haben, die vor Lawinengefahr warnten.

(Foto: imago stock&people)

Der Skiurlaub einer deutschen Gruppe endet 2018 für eine Mutter und ihre Tochter tödlich. Sie sterben in einer Lawine, die die Wintersportler selbst ausgelöst haben sollen. Die Mitreisenden werden nun wegen der Tode angeklagt.

Rund zwei Jahre nach einem tödlichen Lawinenunglück in Südtirol, das eine Skigruppe aus Baden-Württemberg betraf, hat die Staatsanwaltschaft in Bozen Anklage erhoben. Das teilte die italienische Behörde auf Anfrage mit und bestätigte Berichte mehrerer deutscher Medien. Demnach werfen die Ermittler der begleitenden Gruppe von fünf Skifahrern unter anderem fahrlässige Tötung und das Auslösen eines Schneebretts vor.

Nach dem Lawinenabgang im Skigebiet Haideralm Anfang Januar 2018 waren eine Mutter aus Ludwigsburg und ihre Tochter gestorben. Auch der Vater hatte damals an der Tour teilgenommen. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, die Gruppe habe die Gegend gut gekannt und sich dort in Eigenregie auf Wintersport-Wettkämpfe vorbereitet.

Dabei hätten sie sich auf 2600 Metern Höhe in Tiefschnee und auf unwegsames Gelände begeben - und mehrere Schilder ignoriert, die vor Lawinengefahr warnten. In Italien ist ein Verhalten strafbar, das zum ungewollten Auslösen von Lawinen führt. Am Tag des Unglücks herrschte in der Region erhebliche Lawinengefahr der Warnstufe 3 von 5.

Mutter versuchte, Tochter zu retten

300 Meter abseits der regulären Strecke passierten die Skifahrer die schwierige Stelle demnach einzeln, erst beim letzten Fahrer habe sich ein 150 Meter breites Schneebrett gelöst. Weiter heißt es, einige Fahrer hätten sich in ein Waldstück gerettet, ein Verschütteter konnte geborgen werden. Die 45-jährige Mutter soll mit ihrer elfjährigen Tochter von der Lawine überrollt worden sein und habe noch versucht, das Kind zu retten, konnte ihren Schnee-Airbag aber nicht mehr rechtzeitig öffnen.

Wann die Mitglieder der Gruppe sich womöglich vor Gericht verantworten müssen, gab die Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Die Anklage sei im Januar erhoben worden und umfasse auch die Mitwirkung an einem fahrlässigen Verbrechen.

Der Anwalt eines der Beschuldigten weist der "Stuttgarter Zeitung" zufolge die Vorwürfe jedoch zurück. Er beruft sich darauf, dass ein vom vorher ermittelnden Richter vorgebrachtes Gutachten des Direktors des Instituts für Schnee und Lawinenforschung in Davos neben der Verursachung durch die Skifahrer auch noch andere mögliche Szenarien nennt, etwa ein Tier, das Wetter oder schlicht unglückliche Umstände. Er gehe daher davon aus, "dass der Richter des Verfahrens ein neues Gutachten beauftragen wird".

Quelle: ntv.de, mra/dpa