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Donnerstag, 26. März 2015

Nur noch zu zweit im Cockpit: Lufthansa führt Zwei-Personen-Regel ein

Bei US-Airlines ist es Standard, dass immer zwei Crewmitglieder im Cockpit verbleiben. Verlässt also ein Pilot seinen Arbeitsplatz, muss er umgehend von einem Crewmitglied ersetzt werden. In Europa war das bislang nicht der Fall. Nun reagiert auch die Lufthansa.

Nach dem vom Copiloten willentlich herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen führt nun auch der Lufthansa-Konzern die Zwei-Personen-Regel ein. Künftig soll sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen. Infrage kommt etwa ein Flugbegleiter, wenn einer der beiden Piloten das Cockpit für eine Toilettenpause verlässt.

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Den entsprechenden Beschluss der Mitgliedsunternehmen gab der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft bekannt. Neben Lufthansa und Germanwings schließen sich damit auch die weiteren großen deutschen Fluglinien an: Air Berlin, Condor und TuiFly.

Zuvor hatten sich bereits mehrere große internationale Airlines zu diesem Schritt entschlossen. So etwa der Lufthansa-Partner Air Canada sowie die Billigflieger easyJet und Norwegian Air Shuttle an. Bei US-Fluggesellschaften gehört das schon länger zum Standard.

Die Cockpit-Tür eines A320.
Die Cockpit-Tür eines A320.(Foto: dpa)

Nach der Katastrophe in den französischen Alpen war der Türschlossmechanismus der Cockpit-Türen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Solcherart gesicherte Türen sind seit 9/11 in der gesamten Luftfahrtindustrie zum Standard geworden. Damals waren Entführer mit Gewalt in die Pilotenkanzel zweier Maschinen eingedrungen, hatten die Piloten überwältigt und anschließend die Flugzeuge in das World Trade Center in New York gesteuert.

Airbus hat für sein Hochsicherheits-Türsystem bereits 2002 die Zulassung erhalten. Bei den Maschinen des deutsch-französischen Flugzeugbauers sind die Türen mit einem elektronischen Zugangsfeld ausgestattet. Über dieses Panel können die Kabinenmitglieder nach einem genau beschriebenen Vorgang in die Pilotenkanzel kommen, wenn sie den Verdacht hegen, dass die Piloten dort nicht mehr handlungsfähig sind. Allerdings können die Piloten den Zugang aus dem Cockpit heraus mit einem Schalter komplett blockieren.

Was im Normalfall geschieht

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Im Normalfall öffnen die Piloten über einen Schalter in den Armaturen die Tür zur Kanzel. Wenn ein bestimmtes Prozedere nicht eingehalten wird, sind sie verpflichtet, den Zugang über diesen Schalter komplett zu sperren. In diesem Fall ist das Zugangsfeld für fünf Minuten blockiert, sofern die Piloten den Zugang nicht vorher wieder von innen freigeben.

Im Notfall versuchen Crewmitglieder zunächst über das Interkom-System des Fliegers mit den Piloten in der Kanzel Kontakt aufzunehmen. Sollte es darauf zwei Mal keine Antwort aus dem Cockpit geben und auch die "Klingel" im elektronischen Zugangsfeld zu keiner Reaktion führen, können die Crew-Mitglieder einen Notfall-Code über das Tastenfeld eingeben. In diesem Fall erfolgt für 30 Sekunden eine akustische Alarmierung im Cockpit, dass jemand in die Kanzel kommen will. Bei einer Gefahr hätten die Piloten jetzt also eine halbe Minute lang die Möglichkeit, den Zugang zu sperren. Geschieht das nicht, haben die Crewmitglieder anschließend 5 Sekunden Zeit, die Tür zu öffnen.

Es gibt Handlungsfreiräume

In Europa haben die Fluggesellschaften gewisse Freiräume dabei, ob und unter welchen Bedingungen sie ihren Piloten erlauben, das Cockpit während des Fluges zu verlassen. Bei der Lufthansa hieß es am Mittwoch dazu, in bestimmten Phasen eines Flugs sei es möglich, dass einer der Piloten die Kanzel kurzzeitig verlassen könne. Es sei normal, dass ein Pilot auch einmal alleine im Cockpit verbleibe. Die Tür schließe sich automatisch, und der Pilot in der Kanzel könne seinen Kollegen wieder hineinlassen, wenn er sich von dessen Identität überzeugt habe, sagte ein Sprecher der Lufthansa. Weitere Aussagen zum konkreten Fall wollte er nicht machen.

Vor dem Absturz der Germanwings-Maschine über Frankreich war der Pilot nach Erkenntnissen der Ermittler zur Toilette gegangen und hatte seinem Kollegen das Steuer überlassen. Danach konnte er nicht mehr durch die automatisch verriegelte Kabinentür zurück in das Cockpit gelangen. Bei dem Unglück starben am Dienstag 150 Menschen.

Quelle: n-tv.de