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Anzeige gegen Wachpersonal Maddie-Verdächtiger im Gericht verletzt

Gefangenentransporter mit dem im Fall Maddie Verdächtigen verlässt einen Hinterhof des Landgerichtes Braunschweig.

Ein Gefangenentransporter mit dem Beschuldigten verlässt einen Hinterhof des Landgerichtes Braunschweig.

(Foto: dpa)

Ein Gerichtstermin des Verdächtigen im Mordfall Maddie läuft aus dem Ruder. Der 43-jährige Christian B. muss im Krankenhaus wegen Rippenbrüchen behandelt werden. Sein Anwalt erstattet Strafanzeige gegen Justizbedienstete. Laut Gericht leistete der Beschuldigte Widerstand beim Anlegen der Fußfessel.

Der jüngste Gerichtstermin des im Fall Maddie Verdächtigen ist außer Kontrolle geraten und hat ein juristisches Nachspiel. Beim Anlegen von Fußfesseln habe sich der 43-Jährige Verletzungen an den Rippen zugezogen, teilte das Landgericht Braunschweig mit. Nach einer kurzfristigen Behandlung in einem Krankenhaus konnte die Anhörung zwar starten. Doch die Auseinandersetzung im Landgericht ist nun Gegenstand von Ermittlungen. Das teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Hans Christian Wolters, mit.

Was genau kurz vor dem Termin passierte, dazu machte das Gericht wegen der laufenden Ermittlungen keine Angaben. Der Anwalt des 43-Jährigen habe Strafanzeige gegen Justizbedienstete wegen Körperverletzung gestellt. Das Verfahren liege derzeit bei der Polizei, sagte Staatsanwalt Wolters. Medien berichteten, dass sich der Verdächtige gegen die Fußfesseln gewehrt haben soll und es dann zu den zwei Rippenbrüchen gekommen sei. Sein Anwalt wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Geschehen im Landgericht und den möglichen Verletzungen seines Mandanten äußern.

Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Justizministeriums kehrte der 43-Jährige nicht nach Kiel zurück, wo er wegen Drogenhandels im Gefängnis sitzt. Er wurde stattdessen in die Justizvollzugsanstalt Lübeck gebracht, "weil er in Braunschweig gegen Corona-Auflagen verstoßen hat", sagte ein Ministeriumssprecher. In Lübeck gebe es Quarantäne-Haftplätze. Zu möglichen Verletzungen während des Aufenthalts in Braunschweig machte auch das Kieler Ministerium keine Angaben.

Keine Haftentlassung für Christian B. in Sicht

Das Ergebnis der Anhörung vor der Strafvollstreckungskammer liegt dem Gericht zufolge noch nicht vor. Es ging dabei um die mögliche Aussetzung einer Reststrafe auf Bewährung, die der Verurteilte beantragt hatte. Die aktuelle Gefängnisstrafe in Kiel wegen Drogenhandels endet am 7. Januar 2021.

Aber auch bei einer positiven Entscheidung wird es für Christian B. keine Freilassung geben. Dann greift eine Untersuchungshaft in einem Vergewaltigungsverfahren. Dabei soll der Mann im Jahr 2005 - rund anderthalb Jahre vor dem Verschwinden der Britin Madeleine McCann - im portugiesischen Praia da Luz eine 72-Jährige vergewaltigt haben. Gegen das Braunschweiger Urteil vom Dezember 2019 zu sieben Jahren Haft hat der 43-Jährige Revision eingelegt. Eine Entscheidung der BGH-Richter dazu ist noch nicht bekannt. Richter des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) in Luxemburg haben dem Verurteilten aber bereits wenig Hoffnung auf Erfolg gemacht.

Im Fokus steht der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter seitdem das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Juni mitteilten, dass sie im Fall der vermissten Britin Madeleine McCann gegen ihn wegen Mordverdachts ermitteln. Das Mädchen war vor mehr als 13 Jahren kurz vor seinem vierten Geburtstag in einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die deutschen Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist.

Quelle: ntv.de, mau/dpa