Madrid gegen Bus-MachosMänner sollen ihre Beine nicht so spreizen

Jeder kennt es, jeder hasst es: Während der Rush-Hour sind Busse und Bahnen überladen und die Sitzmöglichkeiten knapp - und trotzdem gibt es Männer, die breitbeinig zwei Plätze beanspruchen. Busbetriebe in Madrid gehen jetzt gegen das "Manspreading" vor.
Mit einer Kampagne gehen die Busbetriebe Madrids gegen das sogenannte "Manspreading" vor. Das Wort bezeichnet die Unsitte insbesondere männlicher Zeitgenossen, ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer breitbeinig ausladend dazusitzen. In 2000 Bussen angebrachte Aufkleber zeigen einen solchen "Sitzmacker" - zusammen mit der Aufforderung "Respektieren Sie den Raum des anderen!".
Das Kollektiv "Kämpfende Frauen" hat die Kampagne in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #MadridSinManspreading (Madrid ohne Manspreading) angeschoben. Kollektivmitglied Paula Aguilar erklärt: "Wir sagen nicht, dass die Männer schlecht erzogen oder Machos sind. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Uns Frauen wird beigebracht, mit eng geschlossenen Beinen dazusitzen, während Männer lernen, raumgreifend Platz zu nehmen."
Die 30-jährige Melisa García fährt mit der Bahn und findet die Kampagne gut. Sie beklagt einen "vollständigen Mangel an Respekt und Erziehung". Freimütig bekennt sie, dass sie neulich einem Passagier einen Fußtritt versetzte und zur Ordnung rief, der flegelhaft fast zwei Sitze belegte. Robert Durou hat dagegen festgestellt, dass auch Frauen bisweilen äußerst viel Platz für sich beanspruchen. "Früher haben die Leute mehr Rücksicht aufeinander genommen", sagt der 75-jährige Rentner.
David Correa Clares ist 19 Jahre alt und gibt zu, dass er "Manspreading" praktiziert. "Wenn sich Passagiere beschweren, setze ich mich höflich hin - und das war's dann", sagt er. Eine Extraregel zu erlassen oder im Bus Piktogramme anzubringen, wie richtig zu sitzen sei, hält er dagegen für überflüssig.
Das ist auch die Auffassung der konservativ regierten Region Madrid, die für die U-Bahn zuständig ist. Die Regel laute schon immer: "Ein Platz pro Person". Aufkleber gegen "Manspreading" gehören einem Sprecher zufolge "nicht zu den vordringlichen Ausgaben". In der Hauptstadt Madrid regiert dagegen die von der sozialistischen PSOE und der Bewegungspartei Podemos unterstützte Bürgermeisterin Manuela Carmena.