Panorama

Als erstes EU-Land Malta verkündet Herdenimmunität

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Maltas Tourismus wurde durch die Pandemie hart getroffen. Nun deutet sich die Kehrtwende an.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung immun ist, kann sich das Virus nicht mehr ausbreiten, auch die noch Ungeimpften wären geschützt und die Pandemie beendet. Während für die meisten Länder dieser Zustand in weiter Ferne liegt, erklärt Malta, Herdenimmunität erreicht zu haben.

Malta hat nach Angaben seines Gesundheitsministers als erstes EU-Land 70 Prozent seiner erwachsenen Bevölkerung mit wenigstens einer Dose gegen Covid-19 geimpft. "Wir haben heute die Herdenimmunität erreicht", sagte Minister Chris Fearne bei einer Pressekonferenz. In dem Land mit etwa 500.000 Einwohnern wurden laut Daten des Gesundheitsministeriums bislang mehr als 475.000 Impfstoffdosen verabreicht.

Fearne zufolge sind von den Menschen über 16 Jahren knapp 42 Prozent durchgeimpft. In Malta sank die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Monaten stark. Jeder Bürger über 16 Jahre kann derzeit eine Impfung bekommen. Von den über 60-Jährigen wurden bereits 95 Prozent geimpft. Ab dem 1. Juli will die Regierung laut Fearne bei weiter niedrigen Corona-Fallzahlen die Regeln zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen lockern. Durchgeimpfte Menschen sollen dann den Schutz nicht mehr tragen müssen, wenn sie zum Beispiel alleine draußen unterwegs sind. An Stränden soll die Maskenpflicht bereits ab dem 1. Juni entfallen.

Die Impfquoten der meisten EU-Staaten sind vom Stand in Malta weit entfernt. Als einziges weiteres EU-Mitglied hat bislang Ungarn etwas mehr als der Hälfte seiner Bevölkerung mindestens einmal geimpft. In Bulgarien hat dagegen erst gut zehn Prozent der Bevölkerung erstgeimpft. In Deutschland sind, Stand Samstag, 13,6 Prozent der Bevölkerung bereits vollständig geimpft. 39,9 Prozent haben bisher zumindest eine der Spitzen bekommen.

Ob und gegebenenfalls wann eine Herdenimmunität erreicht ist, ist nicht geklärt. Schätzungen zu Beginn der Corona-Epidemie gingen davon aus, dass die gesamte Bevölkerung geschützt und die Verbreitung des Virus gestoppt ist, wenn rund zwei Drittel der Bevölkerung immun sind. Bei den inzwischen vorherrschenden Varianten des Virus könnte die benötigte Quote aber höher und damit durch Impfkampagnen kaum erreichbar sein. Wissenschaftler wie Christian Drosten gehen davon aus, dass alle nicht Geimpften in Deutschland sich mit der Zeit infizieren werden. Zudem ist unklar, wie lange der Immunschutz bei Impfungen und überstandenen Infektionen anhält. Auch könnten neue Mutationen entstehen, sodass es nie zu einer Herdenimmunität kommt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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