Panorama

Heilung für Missbrauchsopfer Marx setzt Privatvermögen für Stiftung ein

.jpg

Dass ein Bischof privates Vermögen investiert und das auch öffentlich macht, ist in der Geschichte des Missbrauchsskandals bislang einzigartig.

(Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild)

"Was geschieht mit dem, was ich an Geld habe?", fragt sich Kardinal Reinhard Marx. Als Antwort entscheidet sich der 67-Jährige, mit einem Großteil seines Privatvermögens eine Stiftung für Missbrauchs-Opfer in der Kirche zu gründen.

Mit einer gemeinnützigen Stiftung will Kardinal Reinhard Marx kirchlichen Missbrauchsopfern einen weiteren Weg zu Heilung und Versöhnung eröffnen. Marx kündigte am Freitag an, er habe sich entschlossen, den allergrößten Teil seines Privatvermögens in diese Stiftung zu geben, rund eine halbe Million Euro.

Die Stiftung unter dem Namen "Spes et Salus" ("Hoffnung und Heil") solle das Engagement der Kirche bei Prävention und Aufarbeitung des Leids ergänzen. "Sexueller Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche ist ein Verbrechen. Es zerstört das Leben vieler Menschen und bedeutet schwere Belastungen der unmittelbar Betroffenen, aber auch für deren Familien und Freunde", sagte der Erzbischof von München und Freising. "Das System Kirche als Ganzes ist hier schuldig geworden. Missbrauch hat systemische Ursachen und Folgen."

Persönliche Bezüge

Mehr zum Thema

Umso mehr sei es ihm ein Anliegen, sowohl im Amt des Erzbischofs von München und Freising als auch als Privatperson alles Mögliche zu tun, um Missbrauch zu bekämpfen und aufzuarbeiten. In einer Videobotschaft erklärte Marx: Er sei jetzt in einem Alter, in dem man überlege: "Was geschieht mit dem, was ich an Geld habe?" Zeit seines Lebens habe er versucht, verantwortlich mit den finanziellen Mitteln umzugehen, die ihm persönlich als Bezüge für Tätigkeiten als Institutsdirektor, Professor und Bischof zugewiesen worden seien. Im Laufe der Jahre seien so 500.000 Euro zusammengekommen, "die - so ist meine Überzeugung - nicht für mich, sondern für Heil und Heilung von Menschen eingesetzt werden sollen", sagte Marx.

Begegnungen und Gespräche mit Betroffenen, Berichte und Untersuchungen über Lebenswege und Schicksale hätten ihm gezeigt, wie viel Kraft und Anstrengungen nötig seien, um sich Ursachen und Folgen von Missbrauch zu stellen und diese zu bearbeiten. Dabei sei ihm klar: "Geld kann keine Wunden heilen. Aber es kann dazu beitragen, dass Bedingungen geschaffen werden, die Heilungs- und Wandlungsprozesse ermöglichen."

Quelle: ntv.de, sba/dpa