Panorama

Delta als Ursache vermutet Mehr Kinder in USA mit Covid-19 in Kliniken

2021-08-10T142824Z_989294623_RC2A2P9HTBBB_RTRMADP_3_HEALTH-CORONAVIRUS-USA-MASKS.JPG

Die Zahl der mit Covid-19 erkrankten Kindern in den USA, die einen schweren Verlauf erleben, steigt zuletzt deutlich.

(Foto: REUTERS)

Die USA erleben eine neue Corona-Infektionswelle - gleichzeitig werden so viele Kinder mit Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Experten sehen einen Zusammenhang mit der Ausbreitung der Delta-Variante. Aber macht sie wirklich kränker?

In den USA steigt die Zahl der Kinder, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden seit Juli an. In der Woche vom 2. bis zum 8. August wurden täglich durchschnittlich 225 Kinder mit Covid in Krankenhäusern aufgenommen, berichtet die US-Seuchenbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) - was ein erneuter Anstieg gegenüber der Vorwoche ist. Zudem sind es mittlerweile mehr als zum Höhepunkt der Pandemie Anfang Januar mit 217 Einweisungen täglich.

Besonders stark betroffen sind laut einem Bericht der "New York Times" Krankenhäuser in den Corona-Hotspots, vor allem die Südstaaten der USA. Ärzte berichten demnach davon, dass sie mehr schwerkranke Kinder sehen als zu jedem anderen Zeitpunkt der Pandemie - und dass die hochansteckende Delta-Variante wahrscheinlich dafür verantwortlich ist. "Alle sind ein wenig nervös wegen der Möglichkeit, dass die Delta-Variante für Kinder in gewisser Weise gefährlicher sein könnte", sagt Richard Malley, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten am Boston Children's Hospital dem Blatt.

Die meisten Kinder mit Covid-19 in den USA haben jedoch weiterhin nur leichte Symptome, nur ein kleiner Teil der Kinder erkrankt schwer und wird mit Lungenentzündung oder Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert. Einige der jungen Patienten, die ins Krankenhaus kommen, haben chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma, die sie anfälliger für Covid machten, heißt es in dem NYT-Bericht. Es gebe aber auch schwer kranke Patienten ohne offensichtliche Risikofaktoren.

Delta in USA bereits weit verbreitet

Grund für den Anstieg der schweren Covid-Verläufe bei Kindern ist laut Experten das Zusammentreffen von zwei Faktoren: Zum einen die hohe Übertragbarkeit von Delta, zum anderen die Tatsache, dass auch in den USA - wie in Deutschland - unter 12-Jährige noch nicht geimpft werden können. Laut CDC macht die Delta-Variante mittlerweile bereits mehr als 80 Prozent der neuen Fälle in den USA aus. Der Anteil der Kinder liegt der American Academy of Pediatrics (AAP) zufolge mittlerweile bei 19 Prozent.

Besonders in den konservativ geprägten Südstaaten, die derzeit Schwerpunkt der neuen Infektionswelle in den USA sind, lehnen immer noch viele Menschen eine Impfung ab, was die Ausbreitung des Virus begünstigt. "Wären wir damit erfolgreicher gewesen, alle zum Impfen zu bewegen, wären wir nicht in dieser Situation", sagte der Leiter der Forschungsbehörde National Institutes of Health (NIH), Francis Collins, am Sonntag im Sender ABC. "Jetzt zahlen wir einen schrecklichen Preis." Er warnte vor einer weiteren Ausbreitung des Virus, wenn die Millionen von Kindern, die derzeit noch ungeimpft sind und bald aus den Sommerferien zurückkehren, nicht dazu verpflichtet werden, in der Schule Masken zu tragen.

Macht Delta Kinder kränker?

Allerdings ist unklar, ob die Delta-Variante auch dazu führt, dass ein höherer Anteil infizierter Kinder schwer erkrankt. Zwar gibt es Studien aus Kanada, Schottland und Singapur, die zu dem Schluss kommen, dass Delta mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem Krankenhausaufenthalt, einer Einweisung in die Intensivstation oder zum Tod führen kann. Allerdings ist offen, ob dies auch bei Kindern der Fall ist.

Laut AAP werden in den USA etwa ein Prozent der Kinder, die mit dem Virus infiziert sind, ins Krankenhaus eingeliefert, 0,01 Prozent sterben. Laut dem NYT-Bericht ist dieser Wert weiterhin stabil - allerdings könnte sich der Effekt von Delta auch erst in einiger Zeit bemerkbar machen, sollte die Variante womöglich doch zu mehr schweren Verläufen bei Kindern führen. Erfahrungen aus Großbritannien, wo Delta bereits länger als in den USA kursiert, haben jedoch keine eindeutigen Belege geliefert, dass die Variante Kinder schwerer erkranken lässt. Der Anstieg der Krankenhauseinlieferungen in den USA könnte also auch daran liegen, dass durch die hohe Übertragbarkeit von Delta sich einfach viel mehr Kinder anstecken.

Mit Blick auf die Delta-Variante ist in Deutschland ein Streit darüber entbrannt, ob Kinder zwischen 12 und 17 Jahren ebenfalls gegen Corona geimpft werden sollten. Eine EU-Zulassung gibt es bereits, es fehlt noch die allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die Bundesländer hatten jedoch bereits beschlossen, dieser Altersgruppe dennoch ein Impfangebot machen zu wollen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte für die Impfungen von Kindern geworben: "Falls wir die Kinder nicht impfen, droht ihnen ein Jahr von vielen Quarantänen und zum Schluss die Infektion mit der Delta-Variante." Selbst schlimmere Varianten seien möglich. "Auch für Kinder ist Covid ein Risiko."

Quelle: ntv.de, kst

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.