Panorama

Fast 20.000 Neuinfektionen Merkels Horror-Szenario bereits eingetreten

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Voller Sorge war die Kanzlerin bereits im September. Ihre Prognose ist früher als befürchtet eingetreten.

(Foto: imago images/photothek)

Vor wenigen Monaten sorgt Kanzlerin Merkel mit einer Modellrechnung für Aufsehen. Fast 20.000 Neuinfektionen in Deutschland - und das auch noch zur Weihnachtszeit. Was damals unwahrscheinlich klang, ist nun bereits Realität.

Ende September malt Kanzlerin Angela Merkel ein düsteres Szenario in der Corona-Pandemie und befürchtet fast 19.200 Neuinfektionen an Weihnachten. Zahlen in dieser Größenordnung gelte es unbedingt zu vermeiden. Angesichts der Zahlen im niedrigen Tausenderbereich klang diese Horror-Vorstellung vor wenigen Monaten noch wenig wahrscheinlich, nun wird sie bereits von der Realität übertroffen. 19.745 neue Fälle meldeten die Bundesländer am Abend, mehr als doppelt so viele wie noch vor einer Woche.

Die Zahl der gemeldeten Infektionen in Deutschland stieg insgesamt auf 509.337, mehr als 5000 allein in NRW. Wie aus den von ntv.de ausgewerteten Angaben der Landesbehörden hervorgeht, kamen weitere 81 Todesfälle hinzu - die Zahl stieg damit auf 10.388.

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Ihre Rechenkünste erneuerte die Kanzlerin in der Fraktionssitzung vor wenigen Tagen und fügte als neue Variable gleich noch das Gesundheitssystem hinzu. Neben der wöchentlichen Verdopplung der Infektionszahlen, läge das Verdopplungsintervall bei der Zahl der belegten Intensivbetten bei zehn Tagen. "Noch viermal Verdopplung und das System ist am Ende", soll Merkel laut "Bild"-Zeitung gesagt haben. In diesem Fall könne man nicht mehr handeln.

Die neuesten Zahlen dürften für die Bundesregierung eine Bestätigung sein, mit dem einmonatigen Teil-Lockdown am 2. November den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Entsprechend verteidigten Entscheider wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder den Schritt. "Es ist ernster als im Frühjahr", sagte Söder im bayerischen Landtag. Es seien nun Geduld, gute Nerven, Optimismus und vor allem Rücksicht notwendig. "Nur durch Rücksicht werden wir Corona stellen." Manche hätten den Ernst der Lage noch nicht verstanden.

Und auch Söder verwies auf die zunehmend angespannte Lage in den Krankenhäusern. "Die Zahl der belegten Betten steigt deutlich." Wenn aber die Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet und die Kapazitäten ausgeschöpft seien, werde die Gefahr für den einzelnen Patienten noch einmal dramatisch höher. Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 1839 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 919 davon werden beatmet. Rund 7539 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Vor dem letzten Wochenende ehe die neuen Regeln greifen, gab es vorwiegend mahnende und warnende Worte. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sagte: "Verzichten Sie auf die üblichen Halloween-Partys". Die Bundesregierung machte zudem klar, dass die strengeren Vorgaben auch kontrolliert werden sollen. Kanzleramtschef Helge Braun sagte im Bayerischen Rundfunk: "Alle müssen sich wirklich sehr, sehr konsequent an die Regeln halten." Dabei gelte: "Keine proaktiven Kontrollen im Privatbereich, aber sehr deutliche Kontrollen im öffentlichen Bereich."

Quelle: ntv.de, mba/dpa