Panorama

100 Tote durch Giftgetränke Mexiko sucht Alkoholpanscher

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Gepanschter Alkohol ist besonders für Mexikos Arme eine Gefahr.

(Foto: REUTERS)

Gepanschter Alkohol ist billig, deshalb ist er in Mexiko besonders in armen Teilen der Bevölkerung gefragt. In den letzten Wochen registrieren die Behörden jedoch zahlreiche Todesfälle, die auf den Konsum verunreinigter Getränke zurückgeführt werden. Das könnte auch mit der Corona-Krise zu tun haben.

In Mexiko sind in den letzten Tagen inzwischen mindestens 42 Menschen nach dem Konsum von gepanschtem Alkohol gestorben. Elf weitere Menschen schweben in Lebensgefahr, wie die Behörden im Bundesstaat Puebla mitteilen. Rund 200 Liter des giftigen Getränks wurden beschlagnahmt. Festnahmen gab es zunächst jedoch weiterhin nicht.

Allein in der Gemeinde Chiconcuautla starben mehr als 20 Menschen. Diese hatten den Angaben zufolge Refino - eine häufig privat destillierte Art Agavenschnaps - getrunken. Dieser sei in der armen Gegend beliebt, weil er billig sei, sagte der Assistent des örtlichen Bürgermeisters, Eduardo Soto, der Zeitung "La Jornada de Oriente". Viele Menschen, die den Alkohol getrunken hatten, kamen wegen heftiger Kopfschmerzen und Erbrechens in die Notaufnahme. Der Bürgermeister von Chiconcuautla, Artemio Hernández Garrido, rief alle Bewohner über Facebook auf, vorerst keinen Alkohol mehr zu trinken. Zunächst müssten alle gepanschten Getränke und die Verantwortlichen gefunden werden.

Die Regierung des benachbarten Bundesstaates Morelos meldete 15 Tote. Es seien sieben Behältnisse ohne Kennzeichnung mit insgesamt 86 Litern eines Getränks zweifelhafter Herkunft gefunden worden. Im Südosten des Landes, auf der Halbinsel Yucatán, gab es der Zeitung "Diario de Yucatán" zufolge seit vergangenen Freitag insgesamt sieben weitere Todesfälle.

Hunderttausende verloren ihre Arbeit

Die Regierung des westlichen Bundesstaates Jalisco teilte mit, dass auch dort sechs Todesfälle mutmaßlich auf den Konsum von gepanschtem Schnaps zurückführen seien. Seit dem 26. April waren es dort insgesamt 34 Tote und 80 weitere Menschen, die in Krankenhäusern behandelt werden mussten. In ganz Mexiko starben nach Berechnungen der Zeitung "Reforma" in den vergangenen zwei Wochen rund 100 Menschen, die verunreinigte Getränke zu sich genommen hatten.

Gemein haben die Vorfälle in den verschiedenen Regionen, dass die Behörden sie auf das Trinken von Schnaps zurückführen, der unter unprofessionellen Umständen destilliert wurde. Solche Getränke werden vor allem von armen Menschen konsumiert.

Mindestens 685.000 Menschen verloren in Mexiko ihre Arbeitsplätze, seit Ende März zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus der Betrieb in Unternehmen, die als nicht unerlässlich eingestuft wurden, vorübergehend eingestellt wurde. Nicht berücksichtigt ist dabei der informelle Sektor, zu dem 57 Prozent der Arbeit in dem nordamerikanischen Land mit rund 130 Millionen Einwohnern gezählt wird.

Quelle: ntv.de, ter/dpa/afp