Panorama

Weitere Todesopfer erwartet Mindestens sechs Tote bei Hochhausbrand

Ein 24-stöckiges Hochhaus im Zentrum Londons steht komplett in Flammen. Bewohner springen aus Furcht vor dem Feuer aus dem Gebäude in die Tiefe. Mindestens sechs Menschen kommen ums Leben. Die Zahl dürfte noch steigen.

Bei dem verheerenden Hochhausbrand in London sind nach Angaben der Behörden mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Ein Polizeisprecher bezeichnete die Bergungsarbeiten als "komplex". Sie würden sich über mehrere Tage hinziehen. Es sei "wahrscheinlich", dass während dieser Zeit weitere Todesopfer entdeckt würden. 74 Verletzte wurden in umliegende Kliniken gebracht. 20 davon befinden sich in einem kritischen Zustand.

250 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen in dem 24-stöckigen Grenfell Tower, in dem sich Augenzeugen zufolge möglicherweise immer noch Menschen aufhalten. Augenzeugen berichteten, während des Brandes seien Menschen aus dem Gebäude gesprungen.

Nach Angaben von Feuerwehrsprecherin Dany Cotton seien Feuerwehrleute immer noch auf der Suche nach Eingeschlossenen in dem Gebäude. Trotz der Katastrophe ist das Hochhaus stabil genug, um darin weiter nach möglicherweise eingeschlossenen Menschen zu suchen. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Cotton. Einsatzkräfte seien inzwischen bis zum 19., 20. Stockwerk gelangt. Über die Brandursache liegen noch keine Erkenntnisse vor.

THW-Chef rechnet noch mit vielen Toten

"Wenn ein ganzes Hochhaus wie eine Fackel brennt, zumindest von der Fassade her - und die scheint eine gewisse Rolle gespielt zu haben -, dann ist es auch für die Einsatzkräfte ein Alptraum", sagt Albrecht Broemme, Chef des Deutschen Technischen Hilfswerks, zu n-tv. Auch er geht davon aus, dass das Gebäude trotz der verheerenden Schäden stehen bleibt. Er rechnet ebenfalls damit, dass die Rettungskräfte noch viele Tote finden werden.

Die ersten Löschzüge waren nach Angaben der Feuerwehr nach wenigen Minuten bei dem brennenden Hochhaus. Der erste Notruf sei um 00.54 Uhr eingegangen. Aus den Fenstern des Hochhauses loderten riesige Flammen. Ein verzweifelter Bewohner winkte zeitweise mit einem weißen Stofftuch aus einem der oberen Stockwerke.

Große Trümmerstücke stürzten von dem Gebäude, das 1974 errichtet wurde. Die Polizei räumte nahegelegene Gebäude, die von den herabstürzenden Trümmern gefährdet waren. Die angrenzende U-Bahn-Linie wurde bei der Station Latimer Road gesperrt, ebenso wie ein Abschnitt der Autobahn 40, die nördlich an dem Komplex vorbeiführt.

Anwohner kritisierten Brandschutz

Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat umfassende Aufklärung versprochen. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden", teilte Khan über Twitter mit. Die entsetzlichen Bilder hätten ihn schwer getroffen.

Was den Brand verursacht hat, ist bislang völlig unklar. Feuerwehrchefin Cotton warnte davor, über die Ursachen zu spekulieren. "Wir werden in den kommenden Stunden und Tagen sorgfältig nach dem Grund für dieses Feuer suchen und untersuchen, was passiert ist", erklärte sie. Spekulationen darüber, es könne sich bei dem Brand um einen weiteren Terroranschlag handeln, hat die britische Polizei derweil eine Absage erteilt.

Ein Anwohner-Kollektiv hatte vor einem Jahr vor der Gefahr eines Brandes im Grenfell Tower gewarnt. Während Umbauarbeiten gebe es nur einen Zugang zu dem Gebäude, heißt es auf einem Blog-Eintrag der Grenfell Action Group. "Die Möglichkeit, dass in der Eingangshalle ein Feuer ausbricht, ist fast unvorstellbar", heißt es in dem Blog-Eintrag. "Die Einwohner würden in dem Gebäude in der Falle sitzen, ohne jede Fluchtmöglichkeit."

Das Hochhaus Grenfell Tower liegt in einem Arbeiterviertel des Stadtteils North Kensington. Der Augenzeuge Jody Martin schilderte in der BBC, er habe einen Menschen aus dem Gebäude stürzen sehen. Eine Frau habe hinter einem Fenster ihr Baby im Arm gehalten, er habe Schreie gehört. "Ich habe den Leuten zugerufen, sie sollten ins Freie laufen", sagte Martin, "aber sie kamen nicht aus ihren Wohnungen, weil es in den Fluren zu viel Rauch gab."

Quelle: ntv.de, bdk/bad/dpa/AFP/rts