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Aufenthaltsort unbekanntMinister kritisiert Wal-Retter wegen fehlender Sender-Daten

02.05.2026, 14:25 Uhr
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Der Buckelwal in dem gefluteten Lastschiff auf dem Weg in die Nordsee. Wo er sich nach der Freilassung aufhält, ist unklar. (Foto: picture alliance/dpa/Rettungsinitiative)

Nach der Freilassung des Buckelwals an der dänischen Küste herrscht Ungewissheit über sein Schicksal. Der genaue Aufenthaltsort des Tieres ist unklar. Nun steht der Vorwurf der Unprofessionalität und Täuschung im Raum.

Der mehrfach an Ostsee-Küsten gestrandete Buckelwal ist wieder im offenen Meer, doch die angekündigten Senderdaten zu seinem Weg fehlen weiterhin. Die Peildaten seien bei der Initiative mehrfach angefordert worden, lägen aber noch immer nicht vor, teilte Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Umweltministeriums, mit.

Auch Umweltminister Till Backhaus ging in einem Statement beim Livestream-Anbieter News5 darauf ein: "Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. (...) Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden." Im Übrigen sei auch vereinbart gewesen, dass ein Videosystem auf der Barge installiert wird, damit beauftragte Tierärzte den Wal weiter beobachten können - "auch das ist nicht erfolgt".

Es könnten vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden, sagte die Rechtsanwältin der privaten Initiative zum Transport des Wals, Constanze von der Meden. Welche Probleme es konkret gab, ist unklar. Laut der Geldgeberin der Rettungsaktion, Karin Walter-Mommert, sendet der an den Wal angebrachte Tracker derzeit kein Signal, wie sie der "Bild"-Zeitung sagte. "Wir warten nun, dass der Tracker anspringt, dafür muss er jedoch zehn Sekunden am Stück komplett im Wasser sein und das Netz ist schlecht", so Walter-Mommert.

Experte zweifelt an Professionalität des Teams

Am Vortag hatte die Initiative angegeben, es sei ein Sender angebracht worden. Die Informationen ließen sich nicht durch unabhängige Quellen verifizieren. Die Allgemeinheit würde den Weg des Wals ohnehin nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt, hatte von der Meden gesagt.

"Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das 'Rettungsteam'", teilte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter mit. "Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste." Wenn es nicht gelinge, den Wal mittels Daten des Senders zu verfolgen und sein Verhalten einzuschätzen, könne die gesamte Mission letztlich auch nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnet werden.

Es gab in den Stunden nach der Freisetzung auch keine Angaben dazu, in welchem Zustand sich das Tier befand und wie genau es von Bord schwamm oder bugsiert wurde. Im Bereich des Übergangs von der Ost- in die Nordsee hatte es während des Transports zeitweise starken Wellengang gegeben, der Wal war im Lastkahn stark hin- und hergeschaukelt. Obwohl das Absperrnetz am Ende bereits am Freitagnachmittag entfernt wurde, war das Tier weiter in der Barge geblieben.

Freisetzung im Skagerrak

Nach Angaben aus dem Team der Initiative war der Wal gegen 9 Uhr am Samstagmorgen nicht mehr im Lastkahn. Der Konvoi befand sich da etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak. Auf Drohnenbildern von News5 war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen - ob es sich tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich nicht gesichert sagen.

Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt worden, sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace. "Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein." Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat.

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag war er in einen Lastkahn bugsiert worden, der dann an einen Schlepper gekoppelt Richtung Nordsee startete.

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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