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Missbrauchter Junge in Staufen Mutter und Stiefvater müssen lange in Haft

Jahrelang wird ein Junge missbraucht und im Internet zur Vergewaltigung angeboten. Jetzt fällt das Urteil gegen seine Mutter und deren Lebensgefährten. Beide müssen für rund zwölf Jahre hinter Gitter - und das ist nicht alles.

Im Fall des jahrelang vergewaltigten und zur Prostitution gezwungenen Jungen aus Staufen bei Freiburg sind seine Mutter und ihr Partner zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die 48 Jahre alte Mutter Berrin T. muss zwölf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Für ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten Christian L. verhängten die Richter des Landgerichts Freiburg zwölf Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Damit kommt der wegen schweren Kindesmissbrauchs bereits vorbestrafte Mann auch nach Verbüßung seiner Haftstrafe erstmal nicht frei.

Die beiden Verurteilten sollen zudem insgesamt 42.500 Euro Schmerzensgeld an den Jungen sowie an ein weiteres Opfer - ein kleines Mädchen - zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig, sowohl Berrin T. als auch die Staatsanwaltschaft und die Anwältin des Missbrauchsopfers verzichten auf Rechtsmittel. Die Mutter ließ über ihren Verteidiger erklären, sie wolle für ihren Sohn ein Zeichen setzen, "dass jetzt wirklich Ruhe ist".

Der heute zehn Jahre alte Junge war von seiner eigenen Mutter und ihrem Partner mehr als zwei Jahre lang vielfach missbraucht und vergewaltigt worden. Außerdem hatten sie das Kind im Darknet für Vergewaltigungen angeboten und an andere Männer verkauft.

Opfer lebt unter staatlicher Obhut

Wie der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin sagte, billigte die Mutter nicht nur die Missbrauchstaten an ihrem Sohn, sie habe ihn auch freiwillig für diese Taten überlassen und sich selbst teilweise daran beteiligt. Zu Beginn sei ihr Motiv noch gewesen, ihren neuen Lebensgefährten nicht verlieren zu wollen. Später sei "das finanzielle Interesse" beider Angeklagter hinzu gekommen - sie kassierten für die Missbrauchstaten im Einzelfall mehrere tausend Euro von den Männern.

Angeklagt waren zum Teil schwerste Sexualverbrechen an dem Kind, Zwangsprostitution in jeweils knapp 60 Fällen und Kinderpornographie. Berrin T. und Christian L. mussten sich auch wegen des Missbrauchs einer Dreijährigen verantworten, die Berrin T. zeitweise beaufsichtigte. Das Gericht blieb mit dem Strafmaß etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für die Mutter 14 Jahre und sechs Monate Haft und für den einschlägig wegen Pädophilie vorbestraften Lebensgefährten 13 Jahre und sechs Monate Haft sowie Sicherungsverwahrung gefordert.

Sechs im Zusammenhang mit dem Fall ermittelte pädokriminelle Männer wurden bereits vor Gericht gestellt. Sie sind inzwischen ebenfalls zu langen Haftstrafen mit zum Teil anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der kürzlich zehn Jahre alt gewordene missbrauchte Junge lebt inzwischen unter staatlicher Obhut. Ihm geht es laut seiner Rechtsanwältin "den Umständen entsprechend gut".

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP

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