Panorama

Lügenaffäre im US-Fernsehen NBC suspendiert Brian Williams

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Einer der beliebtesten Nachrichtensprecher des US-Fernsehens: Brian Williams Karriere erfährt mit seiner Irak-Geschichte eine unsanfte Bruchlandung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Vorwürfe erschüttern die Glaubwürdigkeit des prominentesten Nachrichtensprechers der USA: Irak-Veteranen überführen NBC-Moderator Williams einer peinlichen Lügengeschichte. Sein Arbeitgeber zieht die Notbremse. Der Ruf des TV-Stars ist so gut wie zerstört.

Der US-Sender NBC hat Amerikas bekanntesten Nachrichtenmoderator Brian Williams nach dessen Flunker-Affäre für ein halbes Jahr suspendiert. Der 55-Jährige werde in dieser Zeit auch kein Gehalt bekommen, teilte NBC News in einem internen Rundschreiben an die Mitarbeiter mit, aus dem US-Medien genüsslich zitieren. Denn der Hinweis auf die Aussetzung der Gehaltszahlung kommt einer empfindlichen Geldbuße gleich: Als sogenannter Anchorman der NBC-Hauptnachrichten dürfte sich Williams Monatsgehalt deutlich im sechsstelligen Bereich bewegen. Die Suspendierung gilt ab sofort.

"Wir haben Brian unsere Entscheidung heute bereits mitgeteilt", zitieren US-Medien wie etwa "Politico" aus dem internen NBC-Schreiben. Der Sender hatte eine Untersuchung gegen den erfolgreichen Fernsehjournalisten eingeleitet, nachdem dieser bei einer offenkundigen Lüge ertappt worden war.

NBC-Reporter unter Beschuss?

Williams hatte mehrfach öffentlich behauptet, er sei 2003 im Irakkrieg in einem Hubschrauber gewesen, der mit einer Panzerfaust beschossen wurde. Der TV-Star hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt aus seiner Rolle als Moderator herausgelöst, um sich als unerschrockener Reporter vor Ort zu inszenieren.

Mit seiner Geschichte wie aus dem Film "Black Hawk Down" scheint Williams den Boden der Tatsachen allerdings verlassen zu haben: Mehrere Ex-Militärangehörige meldeten sich zu Wort, um Williams Darstellung ins rechte Licht zu rücken. Nach und nach kam dabei heraus, dass Williams an jenem Kriegstag im Irak tatsächlich in einem ganz anderen Hubschrauber saß.

Insbesondere unter Veteranen löste der Moderator mit seinen Behauptungen, an quasi vorderster Front unter Feuer geraten zu sein, eine Welle der Verärgerung aus. Williams Version der Geschichte erwies sich in Teilen als stark übertrieben. Offenbar befand sich Williams nicht ganz so dicht am Geschehen wie behauptet: Der Hubschrauber, in dem Williams in Wahrheit saß, erreichte den verunglückten Helikopter erst eine Stunde später nach dem Vorfall.

Unscharfe Erinnerung - oder eitle Lüge?

Der Ablauf ist mittlerweile durch übereinstimmende Aussagen zahlreicher Zeugen aus dem Kreis der beiden fraglichen Hubschrauber-Besatzungen gut belegt. Unstrittig ist, dass Williams seinen sicheren Platz in der New Yorker NBC-News-Redaktion zumindest für einige Tage aufgab, um sich - eingebettet in US-amerikanische Truppen - an den Kriegsschauplatz im Irak zu begeben. Dennoch sah er sich schließlich gezwungen, sich für seinen Fehler zu entschuldigen.

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US-Transporthubschrauber im Irak (Archivbild): Mitgeflogen Ja - beschossen worden Nein.

(Foto: REUTERS)

Egal, ob es eine mutwillige Lüge oder eine unscharfe Erinnerung war: Die ursprüngliche Story stellte Williams als unerschrockenen Reporter dar. Dieser Nimbus eines Helden hat sich nun nicht nur in Luft aufgelöst, sondern geradezu ins Gegenteil gekehrt. Eine falsche Tatsachenbehauptung ist so ziemlich die schwerwiegendste Verfehlung, die ein Journalist in seinem Berufsleben begehen kann.

In der US-Öffentlichkeit steht der Moderator nun als eitler Lügner da, der seiner eigenen Glaubwürdigkeit und dem Ruf seines Arbeitgebers schweren Schaden zugefügt hat. Bei NBC-Chef Steve Burke ist der Zorn daher noch lange nicht verraucht: Die Lügengeschichten des NBC-Aushängeschilds seien "unentschuldbar", erklärte Burke. Williams Suspendierung sei "schwerwiegend und angemessen". Dennoch verdiene der prominente Nachrichtensprecher "eine zweite Chance".

Allerdings steht die Wahrheitstreue von Williams-Reportagen mittlerweile insgesamt in Frage. Der öffentliche Druck bleibt groß: Der Sender lässt nun auch seine Berichterstattung über den Hurrikan "Katrina" 2005 in New Orleans auf Stichhaltigkeit seiner Behauptungen untersuchen. Ob das prominente Gesicht von NBC nach seiner Suspendierung als Moderator der Hauptnachrichtensendung zurückkehrt, ist offen. NBC Universal suche noch nach einer weiteren Verwendung, hieß es.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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