Staus und UnfälleNebenwirkungen des Ramadan
Der fromme Muslim soll sich im Ramadan in Geduld und Selbstdisziplin üben. Jüngste Statistiken zeigen aber, dass sich einige Muslime im Fastemonat recht unvernünftig verhalten.
Der fromme Muslim soll sich durch das Fasten im Ramadan in Geduld und Selbstdisziplin üben. Doch jüngste Statistiken zeigen, dass sich einige Muslime im Monat der Versöhnung streitsüchtig und unvernünftig verhalten.
So hat etwa die Polizei im arabischen Emirat Dubai in den ersten drei Tagen des Ramadan eine drastische Zunahme der Zahl der Verkehrsunfälle festgestellt. Die Zeitung "Gulf News" berichtete, die Beamten hätten 2.313 Verkehrsunfälle registriert. Das sind fast 50 Prozent mehr als an anderen Tagen. Hauptunfallursache sei die Ungeduld der fastenden Autofahrer. Sie rasten, um pünktlich zum Fest des Fastenbrechens zu Hause zu sein. Denn die Muslime verzichten im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Getränke, Sex und Zigaretten.
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo bildet sich im Ramadan jeden Mittag ein riesiger Stau, weil alle Beamten, Schüler, Studenten und Arbeiter zur gleichen Zeit nach Hause drängen.
Die Soziologin Hanan al-Haschudi fand bei einer Befragung im Jemen heraus, dass Ehepartner während des islamischen Fastenmonats mehr streiten als sonst. Die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" berichtete über ihre Studie, bei der die meisten Befragten angaben, der Streit werde meist von den Männern angezettelt. Hauptstreitpunkt sei das Essen. Viele Männer beschwerten sich bei ihren Frauen darüber, dass diese angeblich nicht genügend verschiedene Speisen zum Mahl des Fastenbrechens auf den Tisch stellen. Gerade berufstätige Frauen stünden im Ramadan enorm unter Stress, da sie nach der Arbeit im Eiltempo kochen müssten.
Jemenitische Ärzte nannten mehrere Gründe für die Reizbarkeit der Männer, wie Unterzuckerung, Nikotin-Entzug und Müdigkeit nach den im Ramadan üblichen nächtlichen Männerrunde. Den Frauen rät ein jemenitisches Sprichwort deshalb: "Sprich mit dem Fastenden nicht am Nachmittag."
Der Ramadan hatte in den meisten arabischen Ländern am vergangenen Dienstag begonnen. Sein Beginn richtet sich nach dem Neumond.