Karfreitag erregt ÖsterreichNeuer, halber Feiertag sorgt für Proteste

In Österreich ist der Karfreitag bisher nur für Mitglieder der Kirchen ein gesetzlicher Feiertag. Das akzeptiert der Europäische Gerichtshof nicht und verlangt eine Neuregelung. Die bringt Kirchen, Wirtschaft und Gewerkschaften auf die Palme.
In Österreich gibt es massiven Protest gegen einen neuen gesetzlichen Feiertag: Laut einer von der Regierung vorgestellten Neuregelung für den Karfreitag soll der Freitag vor Ostern ab diesem Jahr ein halber Feiertag sein. An dem Tag sollen alle Österreicher unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit ab 14 Uhr frei haben. Dafür hagelte es Kritik von allen Seiten: Kirchen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und die Opposition sind dagegen.
Nötig wurde die Neuregelung durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), der die bisherige Feiertagsregelung für den Karfreitag als diskriminierend eingestuft hatte. Im katholisch geprägten Österreich ist der Karfreitag bisher nur für Mitglieder der evangelischen Kirchen, der altkatholischen Kirche und der evangelisch-methodistischen Kirche ein gesetzlicher Feiertag.
Als Reaktion auf das Urteil stellte die österreichische Regierung am Dienstag die Kompromisslösung vor, den Karfreitag ab 14 Uhr zum Feiertag zu machen. Besonders unzufrieden sind Mitglieder derjenigen Kirchen, für die der Karfreitag bisher ein ganzer Feiertag war. Die Wirtschaft, die sich vehement gegen einen ganzen Feiertag ausgesprochen hatte, kritisiert auch den zusätzlichen halben Feiertag als zu teuer.
Aber auch die Gewerkschaften sind mit der halben Lösung unzufrieden: "Ein Feiertag ab 14 Uhr an einem Freitag, wo ohnehin sehr viele ArbeitnehmerInnen schon zu Mittag Dienstschluss haben, ist lächerlich", erklärte der Chef des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Bernhard Achitz.
Die Gewerkschaften sprechen von einem "Viertelfeiertag", weil der neue Karfreitag noch nicht einmal ein halber Feiertag sei: Ausgehend von einem Acht-Stunden-Tag und Dienstbeginn um 08 Uhr blieben den meisten Abeitnehmern gerade einmal zwei Stunden mehr Freizeit.
Sorgen machen sich viele Österreicher auch über den Großeinkauf vor dem Osterwochenende: Bisher ist unklar, ob die Geschäfte am Karfreitag nach 14 Uhr noch geöffnet bleiben können.