Panorama

Betrunken Polizisten attackiert Neun Jahre Haft für Ex-US-Soldat in Russland

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Reed kritisierte das Urteil nach der Verkündung als politisch motiviert.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Die russische Justiz ist für ihre Härte bekannt. Weil ein ehemaliger US-Soldat auf einer Party in Moskau zwei Polizisten körperlich angeht, soll er jetzt für neun Jahre in Haft. Der 29-Jährige hält das Urteil allerdings für politisch motiviert und will in Berufung gehen.

Ein russisches Gericht hat den ehemaligen US-Soldaten Trevor Reed wegen eines Angriffs auf zwei Polizisten zu neun Jahren Haft verurteilt. In seiner Urteilsverkündung erklärte der Richter, Reed habe durch seinen Angriff auf die Polizisten "psychischen und körperlichen Schaden" verursacht.

Der 29-jährige Student und Ex-Soldat aus Texas soll betrunken zwei Polizisten attackiert haben, die zu einer Party in Moskau gerufen worden waren. Auf der Fahrt zur Polizeistation soll Reed nach dem Arm eines der Beamten gegriffen und damit einen Verkehrsunfall riskiert haben. Dem zweiten Polizisten soll er seinen Ellbogen in den Bauch gerammt haben.

Der ehemalige US-Soldat trug am Prozesstag eine Gesichtsmaske und verfolgte die Urteilsverkündung aus einem Käfig im Gerichtssaal. Reed kritisierte das Urteil nach der Verkündung als politisch motiviert. Er werde Berufung einlegen und die US-Regierung um Unterstützung bitten.

Vater spricht von "völlig korrupten" Behörden

Reeds Vater sagte nach dem Prozess zu Journalisten, er wolle sich wegen der "völlig korrupten" Behörden direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin wenden. Das Problem seien nicht die russischen Gesetze, sondern wie diese angewendet würden. Die Staatsanwaltschaft hatte fast zehn Jahre Haft gefordert.

Reed saß seit August 2019 in Untersuchungshaft. Er hatte auf nicht schuldig plädiert und erklärt, er könne sich an nichts erinnern. Ein Vertreter der US-Botschaft, der bei der Urteilsverkündung anwesend war, wollte sich nicht äußern. Der US-Botschafter in Moskau, John Sullivan, hatte im Frühjahr erklärt, er verfolge den Prozess.

Im Juni hatte ein Gericht in Moskau den ehemaligen US-Marineinfanteristen Paul Whelan zu 16 Jahren Haft verurteilt. Whelan wurde beschuldigt, in Russland spioniert zu haben. Die US-Botschaft hatte den unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelten Prozess gegen Whelan als "Verhöhnung der Gerechtigkeit" verurteilt.

Quelle: ntv.de, can/AFP