Um die Welt zu rettenNeunjährige verklagt Regierung

Ridhima Pandey ist noch sehr jung, handelt aber schon entschlossener als die meisten Erwachsenen: Das neun Jahre alte Mädchen verklagt die indische Regierung, die sich nicht an die Ziele des Pariser Klimavertrages hält.
Ridhima Pandey ist gerade mal neun Jahre alt, doch sie scheut sich nicht davor, ihre eigene Regierung zu verklagen. Denn im Gegensatz zu manch führendem Staatsoberhaupt hat die junge Inderin aus Uttarakhand, einem Bundesstaat im Norden Indiens, längst erkannt, wie real der Klimawandel ist. Ridhima ist der Überzeugung, dass ihre Regierung daran eine Mitschuld trägt, weil sie den Pariser Klimavertrag im Jahr 2015 zwar unterzeichnet hatte, sich aber nicht daran hält.
In einer offiziellen Klage geht sie daher nun gegen das Umweltministerium vor. Vor dem National Green Tribunal kämpft Ridhima gegen den überhöhten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß des Schwellenlandes an. "Mein Land hat ein enormes Potenzial, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren", wird Ridhima im britischen "Independent" zitiert. Aber weil die Regierung genau das bisher nicht tue, wende sie sich nun ans Gericht.
Die Neunjährige beschuldigt die Verantwortlichen, Treibhausgas-Emissionen von Firmen, Autos oder der Landwirtschaft nicht entschieden genug einzudämmen. Die Anklageschrift fordert die indische Regierung dazu auf, den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß massiv zu verringern, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden und Wälder, Grasländer, Böden und Mangroven zu schützen. Es sei die Pflicht der Regierung, junge und alte Inder vor dieser Umweltverschmutzung zu beschützen, heißt es weiter in der 52-seitigen Klageschrift.
Warum reichst du keine Klage ein?
Ein "mitfühlendes Mädchen" sei Ridhima, berichtet ihr Anwalt dem "Independent". Sie wolle, dass ihre Regierung ihren Teil dazu beitrage den Planeten für künftige Generationen zu schützen. Denn besonders in der Region wo sie lebt, haben saurer Regen, Missernten, Hitzewellen und andere dem Klimawandel geschuldete Naturkatastrophen in den letzten Jahren Tausende Menschen das Leben gekostet.
Ihre Leidenschaft für den Klimaschutz hat Ridhima von ihrem Vater, der der Zeitung zufolge seit 16 Jahren für eine Umweltorganisation arbeitet. "Eines Tages kam sie zu mir und sagte: 'Papa, du kümmerst dich um so viele Sachen, aber nichts passiert. Warum reichst du keine Klage ein?'" Dann, so berichtet ihr Vater, habe sie sich entschieden, es selbst in die Hand zu nehmen. Er sei sehr stolz auf seine Tochter.
Indien gehört nach den USA, China und der EU zu den größten Produzenten von Treibhausgasen. Das Land ist vom Klimawandel und seinen Folgen bereits besonders betroffen. Missernten, Hitzewellen, extremer Regen, das Abschmelzen der Gletscher im Himalaya und weniger Trinkwasser machen der Nation mit über einer Milliarde Menschen zu schaffen.