Panorama

120 Quadratmeter Transplantate Neuseeland bestellt Haut für Brandopfer

Auch zwei Tage nach dem Vulkanausbruch in Neuseeland können die noch auf der Insel White Island vermuteten Toten nicht geborgen werden. In den Kliniken kämpfen unterdessen Überlebende mit schweren Brandverletzungen um ihr Leben. Für sie sollen jetzt große Mengen Hauttransplantate besorgt werden.

Neuseeland hat nach Angaben der Behörden knapp 120 Quadratmeter Haut für die Behandlung von Patienten bestellt, die bei dem Vulkanausbruch am Montag auf White Island verletzt wurden. Das berichtet CNN. Die Menge entspricht in etwa einer Fläche von eineinhalb Badminton-Feldern. Die Haut wird benötigt, um Patienten zu versorgen, die durch die Vulkanasche und das Gas schwere Verbrennungen erlitten.

Insgesamt 47 Menschen befanden sich auf White Island vor der Küste der Nordinsel, als es zu dem Ausbruch kam. Von den Überlebenden seien mindestens 30 Prozent ihres Körpers verbrannt, heißt es von offiziellen medizinischen Vertretern. Viele hätten Inhalationsverbrennungen, die Atemwegsunterstützung erfordern. Jede Verbrennungseinheit der Krankenhäuser des Landes sei voll ausgelastet, heißt es in dem CNN-Bericht.

"Wir verfügen derzeit über Hauttransplantate, brauchen jedoch dringend mehr", sagte Peter Watson vom Bezirksgesundheitsamt. "Wir gehen davon aus, dass wir weitere 120 Quadratmeter Haut benötigen, um den Bedarf der Patienten zu decken." Die Hautbestellung wurde aufgegeben und kommt aus den Vereinigten Staaten, sagt Watson. Haut- und Gewebebanken aus dem benachbarten Australien wie die "Donor Tissue Bank of Victoria" stellen ebenfalls Hauttransplantate zur Verfügung.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche menschliche Körper hat eine Hautoberfläche von etwa ein bis zwei Quadratmeter. Die Hauttransplantate stammen von Spendern, die sich - wie Organspender auch - registrieren, um ihre Haut nach dem Tod zu spenden. Bei einer Hautspende wird normalerweise laut der Spendenstelle der australischen Regierung nur eine dünne Schicht genommen, wie etwa die Haut, die sich bei Sonnenbrand schält. Die Hauttransplantate werden in der Regel aus dem Rücken der Spender oder der Rückseite ihrer Beine entnommen.

Angesichts der beispiellosen Zahl schwerer Verbrennungen bei den Opfern sei die Nachfrage nach Haut besonders hoch, teilten die Behörden mit. Die Verbrennungen der Patienten seien bereits wegen der unmittelbaren Nähe zum Vulkan während des Ausbruchs schwerwiegend - durch die Gase und Chemikalien sei die Behandlung der Verletzungen noch zusätzlich erschwert worden, sagte Watson.

Rettungsaktion gerät immer mehr unter Druck

Die Rettungsteams könnten die Insel wegen der Gefahr eines neuen Ausbruchs immer noch nicht betreten, teilte die Polizei mit. Sie befürchtet zudem, dass nicht alle der mehr als 30 Verletzten überleben, weil viele von ihnen schwerste Verbrennungen erlitten haben. Sechs Menschen starben unmittelbar nach dem Unglück. Auf der Insel werden nach neuen Angaben der Polizei zudem neun weitere Todesopfer vermutet. Wie die neuseeländische Polizei mitteilte, handelt es sich um sieben Australier und zwei Neuseeländer.

Weil ab Donnerstag mit schlechterem Wetter gerechnet wird, stehen die Behörden massiv unter Druck, endlich mit der Bergung der Leichen zu beginnen. Aus dem Vulkankrater treten aber weiterhin giftige Gase aus, die ganze Insel ist mit einer dicken Schicht säurehaltiger Asche bedeckt. Nach Angaben von Seismologen liegt die Gefahr für einen weiteren Ausbruch zudem bei 40 bis 60 Prozent.

"Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist", sagte Polizeiminister Stuart Nash dem Sender Radio New Zealand. Am Mittwoch setzten die Rettungskräfte eine Drohne ein, um die Konzentration giftiger Gase in der Luft rund um die Insel zu messen. Die gesammelten Daten müssten aber noch ausgewertet werden, erklärte die Polizei.

"Jeder Tag, der vergeht, ohne dass die Leichen geborgen werden, ist ein Tag der Qual für ihre Angehörigen", sagte die Leiterin des Zivilschutzes, Sarah Stuart-Black. Bislang sei das Risiko aber "einfach zu groß". Die Polizei überprüfe alle zwei bis drei Stunden, ob der Einsatz endlich starten könne, versicherte Polizeichef Bruce Bird.

Quelle: ntv.de, vmi/dpa