Panorama

Grubenunglück nimmt kein Ende Noch 142 Kumpel gelten als vermisst

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In Soma, heißt es, findet das Leben derzeit auf dem Friedhof statt.

(Foto: AP)

Weinend stehen die Angehörigen vor den Gräbern der getöteten Bergarbeiter von Soma. Derweil wächst in den Städten des Landes die Empörung über die Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Tausende fordern ihren Rücktritt.

Nach dem schlimmsten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei bekommt die Regierung in Ankara die geballte Wut nicht nur der Hinterbliebenen der mehr als 280 Toten zu spüren. In zahlreichen Städten des Landes forderten mehrere Zehntausend Menschen den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Entrüstung löste zudem ein Berater Erdogans aus, der am Ort der Katastrophe in Soma auf einen Demonstranten eingetreten hatte.

In der westtürkischen Küstenmetropole Izmir ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund 20.000 Demonstranten vor, wie türkische Medien berichteten. Mehrere Gewerkschaften hatten zum Streik aufgerufen.

Demonstranten und Gewerkschaften kritisierten, es habe sich nicht um einen Unfall, sondern um "Mord" an den Arbeitern gehandelt. Der Ministerpräsident hatte eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Im ganzen Land wehten die Flaggen auf halbmast.

In Soma kam es zu herzzerreißenden Szenen, als Familien zahlreiche der toten Kumpel zu Grabe trugen. Dutzende Bergleute sind noch unter Tage eingeschlossen. Die Zahl der Toten in Soma stieg nach Angaben der Regierung auf 282. Seit Mittwochabend seien aus dem Kohlebergwerk keine Kumpel mehr lebend geborgen worden, sagte Energieminister Yildiz. Die Bergungsarbeiten würden fortgesetzt, obgleich es in einem Teil des Schachts immer noch brenne. "Es sieht so aus, als wenn das Feuer kleiner geworden wäre", sagte Energieminister Yildiz. "Die Kohlenmonoxidwerte in dem Bergwerk beginnen zu fallen." Offiziell gelten noch 142 Kumpel als vermisst.

Unterdessen besuchte auch Staatspräsident Abdullah Gül den Ort der Katastrophe. Verzweifelte Familien mussten die Leichen ihrer Angehörigen identifizieren. Viele beklagten fehlende Informationen.

Empörung über Zwischenfall in Soma

Edogans Berater Yusuf Yerkel hatte den Regierungschef am Mittwoch bei einem Besuch in Soma begleitet. Dabei war es zu Buh-Rufen und Protesten gegen Erdogan gekommen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Yerkel auf einen Mann eintritt, den zwei Sicherheitskräfte am Boden festhalten.

Yerkel bestätigte dem türkischen Dienst der BBC, dass er auf den Fotos zu sehen sei. Türkischen Medienberichten zufolge sagte Yerkel, bei dem Mann am Boden habe es sich um einen militanten Linken gehandelt, der ihn und Erdogan angegriffen und beleidigt habe.

Andere Quellen sehen in dem Mann einen Hinterbliebenen eines Unglücksopfer, der sich in der Rede Erdogans verhöhnt gefühlt habe. 

Erdogan hatte die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in seinem Land nach einem Besuch am Katastrophenort heruntergespielt. "Solche Unfälle passieren ständig", sagte er. Türkische Medien hatten berichtet, die Regierungspartei AKP habe im vergangenen Monat Forderungen der Opposition zurückgewiesen, die Sicherheit an der Zeche zu überprüfen.

Mit Hilfe von Freiwilligen seien mehr als 200 Gräber ausgehoben worden, sagte ein Totengräber auf dem Friedhof des Ortes. Mehrere Beerdigungen fanden parallel statt. Lastwagen brachten die Särge zum Friedhof. Angehörige, darunter viele Kinder, weinten vor den Gräbern. Medien zufolge hatte ein elektrischer Defekt in einem Trafo zunächst eine Explosion und dann einen Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Meter Tiefe ausbrach.

Das Grubenunglück löste weltweit Trauer aus. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, boten der Türkei Hilfe an.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP

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