Panorama

Drei Tote in Glinde Obduktion: Vater schoss auf Kinder und Frau

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Warum die zwei Kinder sterben mussten, ist bislang noch unklar.

(Foto: picture alliance /)

Am zweiten Weihnachtsfeiertag kurz vor Mitternacht fallen in einem Wohnhaus in Glinde bei Hamburg Schüsse. Zwei Kinder sterben, die Mutter wird schwer verletzt. Jetzt steht fest: Der Vater schoss auf seine Familie und nahm sich anschließend das Leben.

Im Fall der dreifachen Tötung in einem Einfamilienhaus in Glinde bei Hamburg hat eine Obduktion den Vater als Täter identifiziert. Seine beiden 11 und 13 Jahre alten Söhne kamen demnach durch jeweils einen Schuss ums Leben, wie ein Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft sagte. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass der Vater "sich offensichtlich seine tödlichen Verletzungen selbst beigebracht hat".

Die Auswertung des Notrufs habe ebenfalls ergeben, dass der 44-Jährige derjenige war, "der für die Schüsse verantwortlich war". Den Angaben zufolge setzte die Ehefrau den Notruf ab. Sie liegt mit mehreren Schussverletzungen noch immer im künstlichen Koma. Hinweise auf ein Motiv hätten sich durch den Notruf nicht ergeben. Der Tatort sei für weitere Ermittlungen in dieser Sache von der Spurensicherung noch nicht freigegeben, so die Polizei.

Die Polizei war am späten Sonntagabend wegen der Schüsse zu dem kleinen Wohnhaus gerufen worden. Als die Einsatzkräfte in dem Haus ankamen, fanden sie die beiden toten Kinder sowie den regungslosen 44 Jahre alten Mann. Der Vater starb trotz Wiederbelebungsversuchen noch am Einsatzort. Die Mutter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gefahren.

Zweiter Mord an Kindern in Glinde

Das Haus steht in einer Straße mit vielen Einfamilienhäusern und wirkt mit seiner weißen Fassade frisch saniert. Auch das Dach scheint erst kürzlich neu gedeckt worden zu sein. "Es ist keine typische Brennpunktsiedlung", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Abgesehen von der Lichterkette gibt es auf den ersten Blick kaum Spuren darauf, dass eine Familie in dem Haus gelebt hat. Keine Kinderbilder an den Fenstern, keine Spielgeräte sind in dem kleinen Vorgarten. Nur ein Gartenzwerg mit einem Bierkrug in der Hand steht vor dem Haus am Holzzaun.

Seit Montag haben mehrere Menschen Blumen, Kerzen und Briefe am Gartenzaun vor dem Wohnhaus der Familie abgestellt. Dort saßen auch zwei weiße Kuscheltier-Bären mit Weihnachtsmann-Mützen. In einem Brief dazu hatte ein Kind "Wir werden euch vermissen! Ruhet in Frieden!" geschrieben und einen Engel mit Flügeln und einem Heiligenschein gemalt.

Die 18.000-Einwohner-Stadt Glinde im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn ist nicht das erste Mal der Schauplatz eines fürchterlichen Geschehens innerhalb einer Familie. Im Januar 2014 hatte ein Mann in religiösem Wahn seinem sechsjährigen Sohn und seiner vierjährigen Tochter im Schlaf die Kehlen durchgeschnitten. Der aus Afghanistan stammende Mann kam in die geschlossene Psychiatrie. Der Zahnarzt galt als nicht schuldfähig und konnte deshalb nicht wegen des zweifachen Mordes zur Verantwortung gezogen werden.

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Quelle: ntv.de, hny/dpa

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