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Gleichstellungsvorsprung im Kopf Ostdeutsche Frauen häufiger Führungskraft

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In Hamburg geboren und in Templin aufgewachsen, Angela Merkel ist eine ostdeutsche Frau mit Führungsqualitäten.

(Foto: www.imago-images.de)

Für Spitzenjobs in Politik, Wirtschaft oder Verwaltung werden selten Ostdeutsche berücksichtigt. Aber wenn es jemand mit ostdeutscher Herkunft schafft, ist es meist eine Frau. Neue Studienzahlen sind eindeutig.

Frauen aus dem Osten Deutschlands bekleiden prozentual gesehen häufiger Führungspositionen als westdeutsche Frauen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Leipziger Wissenschaftlern im Rahmen eines Projekts von MDR und RBB.

Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig kommt in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass Ostdeutsche in den Führungsetagen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Wenn es eine Person, die in der DDR beziehungsweise nach 1990 in den ostdeutschen Bundesländern geboren wurde, nach oben schafft, ist es jedoch meist eine Frau. Der Frauenanteil unter aus Ostdeutschland stammenden Führungskräften ist in nahezu allen untersuchten Bereichen höher als bei westdeutschen.

Als Beispiel dient den Wissenschaftlern die Bundesregierung: Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel stammten seit der Wiedervereinigung 16 weitere Regierungsmitglieder - und damit nur zehn Prozent - aus dem Osten. Unter den Ost-Politikern in der Regierung finden sich aber zwölf Frauen, was rund 71 Prozent entspricht. Im Gegensatz dazu waren seit 1990 nur 27 Prozent der westdeutschen Bundesminister weiblich. Weil der erhebliche Anstieg nach der Jahrtausendwende mit dem Amtsantritt von Merkel zusammenfällt, nennen ihn die Forscher den "Merkel-Knick".

Historischer Gleichstellungsvorsprung?

In der Wirtschaft sind die Ergebnisse ähnlich. Zwar haben unter den 193 Dax-Vorständen lediglich vier ostdeutsche Wurzeln. Drei von ihnen, also 75 Prozent der aus dem Osten stammenden Dax-Vorstände sind jedoch weiblich, bei den Westdeutschen sind es nur zehn Prozent. Für die Wissenschaftler wurde deutlich, dass auch der Standort von Unternehmen eine Rolle für die Zahl der Frauen in Führungspositionen spielt. 2016 und 2017 waren in den 100 umsatzstärksten Unternehmen Westdeutschlands nur zwei Prozent aller Unternehmensführer weiblich, im Osten waren es immerhin neun Prozent.

Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung unter Bundes- und Landesrichtern. Hier sind mit einem Frauenanteil von 43 Prozent auf Bundes- und 48 Prozent auf Landesebene die Geschlechter fast paritätisch vertreten. Dies gilt aber nur für ostdeutsche Vertreter. Bei westdeutschen Richtern, liegen die Werte mit 34 beziehungsweise 38 Prozent niedriger.

Für untersuchenswert halten die Forscher die Frage, welche Rolle "die Zurückhaltung bei der Herkunftsabgabe" beim Aufstieg ostdeutscher Frauen spielte. Insgesamt sei der Frauenanteil in Führungspositionen in Ostdeutschland noch immer deutlich höher als im Westen. Dies führen die Wissenschaftler unter anderem auf verschiedene Rollenverständnisse von Mann und Frau zurück, bei dem ostdeutsche Frauen noch immer einen "Gleichstellungsvorsprung im Kopf" haben.

Quelle: n-tv.de, sba

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