Panorama

Nach filmreifem JVA-Ausbruch "Pannenknast" Bochum räumt Mängel ein

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Die Wachtürme der JVA-Bochum sind wegen Asbest-Sanierung unbesetzt: Der Ausbrecher konnte die fünf Meter hohen Mauern unbemerkt überwinden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Häftling baut sich aus Sportgeräten eine Steigleiter und klettert damit über die Gefängnismauern. Während der Ausbrecher weiterhin unauffindbar ist, muss die Justizvollzugsanstalt Bochum unangenehme Fragen beantworten. Mehrere Sicherheitslücken dürften ihren Ruf als "Pannenknast" weiter festigen.

Die Fenster waren nicht vergittert, die Container waren nicht ordentlich gesichert und Mängel bei der Beaufsichtigung gab es möglicherweise auch: Nach einem Ausbruch hat eine Untersuchung der Justizvollzugsanstalt Bochum Mängel offenbart. Das Oberlicht etwa, über das der Gefangene am Donnerstag auf ein Vordach klettern und so auf den Sportplatz gelangen konnte, hätte vergittert sein müssen, sagte die Sprecherin der JVA, Candida Tunkel.

Auch auf dem Sportplatz wurden die ermittelnden JVA-Bediensteten fündig: In einem dort abgestellten Container hatte der 42-jährige Häftling eine Stangenkonstruktion deponiert, mit der er die Gefängnismauer überwinden konnte. Der Container sei nicht ausreichend gesichert gewesen, weil das Schloss offenbar manipuliert werden konnte, sagte Tunkel weiter. Der Container werde nun weggeschafft. Auch haben sich laut Tunkel Fragen ergeben, ob der Mann überhaupt Sportwart hätte sein dürfen und ob es Mängel bei seiner Beaufsichtigung gegeben haben könnte.

Der wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilte Serbe sei in unregelmäßigen Abständen bei seiner Tätigkeit beaufsichtigt worden. Der Fall ist der JVA zufolge noch nicht abschließend geklärt. Bis dahin gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Wachtürme wegen Asbestsanierung unbesetzt

Nach seiner spektakulären Flucht ist der Häftling weiter unauffindbar. Die Großfahndung laufe unvermindert, es gebe noch keine heiße Spur, hatte ein Polizeisprecher am Sonntag gesagt. Man hoffe auf Hinweise aus der Bevölkerung. Seit der Mann eine fünf Meter hohe Gefängnismauer überwunden hat, wird auch mit Fahndungsfotos nach ihm gesucht.

Der Mann war wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilt worden. Seine Haft hätte laut Polizei bis 2021 gedauert. Der Häftling hatte sich nach Angaben der JVA in der Gefängnis-Turnhalle um die Sportgeräte gekümmert und dabei heimlich seinen Ausbruch vorbereitet: Als Steighilfe baute er eine lange Stange zusammen, die er in einem Container für Sportgeräte versteckte.

Zum Zeitpunkt der Flucht waren die fünf Überwachungstürme der JVA wegen einer Asbestsanierung unbesetzt. Auch das Justizministerium untersucht den Fall. Die JVA Bochum hatte bereits in der Vergangenheit als "Pannenknast" Schlagzeilen gemacht. Zwischen 2011 und 2013 war drei Insassen die Flucht gelungen - als Folge wurden der damalige Gefängnisdirektor suspendiert und die Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa

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