Panorama

"Nur wenige Kardinäle ungeimpft" Papst Franziskus plaudert im Flugzeug

255916889.jpg

Der Papst beim Hinflug am Sonntag im Gespräch mit Journalisten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Über den Wolken ist die Redefreiheit grenzenlos: Beim Rückflug von der Slowakei nach Rom schneidet der Papst eine ganze Reihe von brisanten Themen an: Ungeimpfte Kardinäle? "Eine kleine Gruppe. Wir versuchen, ihnen zu helfen." Abtreibung? "Ist Mord" Und die Ehe für Homosexuelle? "Passt nicht zur Kirche."

Papst Franziskus hat Impfverweigerer unter den Kardinälen angezählt und sich erneut für Corona-Impfungen stark gemacht. "Im Kardinalskollegium gibt es ein paar Verweigerer", sagte das katholische Kirchenoberhaupt an Bord eines Flugzeugs, das ihn von der Slowakei zurück nach Rom brachte. "Einer von ihnen, der arme Mann, hat sich mit dem Virus angesteckt", fügte der Papst hinzu.

Obwohl er keinen Namen nannte, war eindeutig, dass sich die Worte des Papstes auf einen seiner schärfsten Kritiker bezog, den konservativen US-Kardinal Raymond Burke. Dieser wurde kürzlich mit Covid-19 in ein Krankenhaus in den USA eingeliefert. Im Vatikan seien "alle geimpft, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe", sagte der 84-Jährige weiter. "Wir versuchen, ihnen zu helfen."

Der Papst ist ein großer Befürworter der Corona-Impfung und hat bereits früher sein Unverständnis über diejenigen geäußert, die sich nicht impfen lassen wollen. Es sei ein bisschen seltsam, weil die Menschheit eine Erfolgsgeschichte mit Impfstoffen verbinde, sagte er nun. Er verwies dabei auf die Impfungen, die seit Jahrzehnten Kinder vor Masern oder Polio schützten. Der Papst räumte aber auch ein, dass die Debatten über die verschiedenen Corona-Impfstoffe Unsicherheit verbreiten könnten.

Fragen zu Abtreibung und gleichgeschlechtlicher Ehe

Beim Rückflug von seiner Reise nach Ungarn und in die Slowakei fühlte sich Franziskus offenbar in der Stimmung, eine ganze Reihe von kontroversen Themen anzusprechen. Zum Thema Abtreibung erklärte der Papst, dass dies "Mord" sei. Wissenschaftlich gesehen, handle es sich um ein menschliches Leben, sagte er. "Wie soll man täglichen Mord akzeptieren?", fragte der Argentinier weiter. Deshalb sei die Kirche so hart bei diesem Thema.

Auch beim Thema Ehesakrament für Homosexuelle sah er keine Chance. Die Ehe sei ein Sakrament und die Kirche habe nicht die Befugnis, dies zu ändern, erklärte er. Es sei wichtig, Menschen anderer geschlechtlicher Orientierung zu helfen, aber ohne der Kirche Sachen aufzudrängen, die dort nicht funktionierten. Dies bedeute allerdings nicht, dass man die Leute verurteilen wolle. Man müsse alle respektieren. "Aber bitte zwingt die Kirche nicht, ihre Wahrheit zu verleugnen", sagte er weiter.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.