Panorama

Neun Crew-Mitglieder verschleppt Piraten kapern norwegischen Frachter

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Bislang war vor allem die Küste vor dem ostafrikanischen Somalia für Piraterie bekannt. (Symbolbild)

(Foto: picture alliance/dpa)

Etwa 50 Mal versuchen Piraten pro Jahr, den internationalen Schiffsverkehr anzugreifen. Bei einem Frachter aus Norwegen, der an der westafrikanischen Küste hält, gelingt es. Angreifer verschleppen neun Mitglieder der Crew, darunter auch der Kapitän.

Piraten haben vor der westafrikanischen Küste neun Besatzungsmitglieder eines norwegischen Frachters in ihre Gewalt gebracht. Sie enterten das Schiff "MV Bonita" am Samstagmorgen vor der Hafenstadt Cotonou in Benin, als dessen Besatzung dort auf einen Ankerplatz wartete. Unter den Verschleppten befindet sich auch der Kapitän des Schiffes, teilt die Reederei JJ Ugland mit.

Das Einsatzteam der Reederei behandele die Situation gemäß der Notfallpläne, hieß es in einer Mitteilung von Ugland - die zuständigen Behörden und die Familien der Besatzungsmitglieder seien verständigt worden. Um das Wohlbefinden der Entführten nicht zu gefährden, werde die Reederei die Situation zunächst nicht weiter kommentieren.

Der norwegische Reedereiverband sprach davon, dass die Verschleppten von den Philippinen stammten. Weitere Crew-Mitglieder und das Schiff seien in Cotonou in Sicherheit. Benin hat in etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands und rund elf Millionen Einwohner. Das Land liegt am Golf von Guinea und grenzt westlich an Togo und im Osten an Nigeria.

Bedrohung durch Piraterie regional hoch

Piratenüberfälle kommen an der Küste Westafrikas sehr häufig vor, gerade am Golf von Guinea, der sich von Liberia bis hinunter nach Gabun erstreckt. Nach Angaben des norwegischen Reedereiverbands ist die Bedrohung durch Piraterie in der Region seit Jahren hoch, dort kommt es demnach jährlich zu durchschnittlich rund 50 versuchten Angriffen auf die internationale Schifffahrt. Die Gesamtzahl der Fälle ging nach Angaben des International Maritime Bureau (IMB), das Kriminalitätsfälle auf den Weltmeeren erfasst, in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr zwar zurück. Die Gefahr von Piraterie und bewaffneten Raubüberfällen im Golf von Guinea besteht demnach aber weiter.

Ein Forscher vermutete wirtschaftliche Interessen hinter dem Vorfall. "Angesichts der wenigen Informationen, die ich gesehen habe, deutet vieles darauf hin, dass das ökonomisch motiviert ist", schrieb Morten Bøås vom Außenpolitischen Institut Norwegens (Nupi) dem norwegischen Fernsehsender NRK. Es scheine den Entführern um Lösegeld zu gehen - für Extremisten hätten die Besatzungsmitglieder von den Philippinen nur einen geringen symbolischen Wert. Bøås befürchtete, dass es länger dauern könnte, bis die Situation gelöst werden könne.

Quelle: ntv.de, joh/dpa