Panorama

Impressionisten in PotsdamPlattner macht Barberini zum Kunsthotspot

04.09.2020, 20:09 Uhr imageHeike Boese
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Die Sammlung umfasst mehr als 100 Arbeiten. (Foto: picture alliance/dpa)

Monet, Renoir, Signac: Sie zählen zu den herausragenden Namen des Impressionismus. Kaum jemand, der nicht mindestens eines ihrer Bilder kennt. Ab sofort gibt es die Gelegenheit, mehr als 100 der bekanntesten Werke ihrer Kunstrichtung in Potsdam zu erleben.

Impressionismus, heißt es gelegentlich leicht von oben herab, ist eher etwas für den breiten Publikumsgeschmack. Damit kann man nichts falsch machen. Weder als Sammler noch als Museum. Blumenwiesen, Kornfelder, Pappelreihen, Seerosenteiche und einladende Gärten. Aber auch Kaffeehäuser, Boulevards und Häfen. Nirgendwo sonst fällt es dem Betrachter leichter, in die Stimmung des Bildes einzutauchen. Man hört förmlich die Bäume rauschen, das Wasser plätschern und verabschiedet sich für einen kurzen, verträumten Moment in eine längst vergangene Zeit, die allerdings selten so romantisch war, wie es die Maler abbilden.

Während moderne Kunst den Betrachter manchmal regelrecht anschreit, zuweilen auch verstört, tun Impressionisten niemandem weh. Sie sind leise und tauchen die Welt in ein wunderschönes Licht. Selbst ansatzweise sozialkritische Themen werden in sanften Pastelltönen dargestellt.

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Auch Claude Monets "Getreideschober" zählt zu den Ausstellungsstücken. (Foto: Heike Boese)

Mindestens seit dem Jahr 2000 sammelt Hasso Plattner vor allem Impressionisten. Seine Leidenschaft für diese Kunstrichtung erklärt er damit, dass "die Gemälde uns als Betrachter unmittelbar miteinbeziehen. Wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen. Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies."

Plattner hat seine private Sammlung als Dauerleihgabe dem Museum Barberini überlassen. Mehr als 100 der bekanntesten Werke des Impressionismus können ab diesem Samstag in Potsdam bestaunt werden. Die Sammlung umfasst allein 34 Gemälde von Claude Monet. Damit sind, außerhalb von Paris, an keinem anderen Ort in Europa mehr Werke von Monet an einem Ort zu sehen.

"Neue Schlagkraft im internationalen Leihverkehr"

Insgesamt eine einzigartige Sammlung, die Fans dieser Kunstrichtung aus aller Welt und auf Jahre anlocken wird. Sie werden staunend vor Paul Signacs "Hafen bei Sonnenuntergang" stehen, die "Villen in Bordighera" und den "Getreideschober" von Claude Monet bewundern oder allein beim Anblick von "Schnee in Louveciennes" von Alfred Sisley frösteln.

Mit dieser Ausstellung wird Potsdam "zu einem der weltweit wichtigsten Zentren impressionistischer Landschaftsmalerei" und kriegt, wie es Museumsdirektorin Ortrud Westheider ausdrückt, "eine neue Schlagkraft im internationalen Leihverkehr", der ja davon lebt, dass sich international renommierte Häuser gegenseitig Bilder leihen.

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Die Sammlung von Hasso Plattner ist eine der wichtigsten weltweit für den französischen Impressionismus und Postimpressionismus. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Sammlung von Hasso Plattner ist eine der wichtigsten weltweit für den französischen Impressionismus und Postimpressionismus und Plattner hat schon in der Vergangenheit großzügig seine Bilder an andere Museen verliehen. Wenn jetzt eine Anfrage für eines der Gemälde aus der Sammlung kommt, kann das Museum Barberini im Gegenzug auf ähnlich spektakuläre Leihgaben hoffen.

Daniel Zamani, Kurator am Barberini, freut sich jetzt schon auf zwei Werke, die demnächst nach Potsdam kommen. Zum einen "Die Einkleidung der Braut" von Max Ernst aus der Peggy-Guggenheim-Sammlung in Venedig, eines der bedeutendsten Werke des Surrealismus und Claude Monets "Impression Soleil Levant" aus dem Musée Marmottan Monet in Paris.

Spannender Dialog ab November

Dass Potsdam jetzt in dieser Liga mithalten kann, verdankt das Museum ohne Zweifel seinem Gründer und Mäzen. Denn nur dank Hasso Plattner hat das Barberini seinerseits auch begehrte Werke im Portfolio. Zamani: "Wir erhalten zahleiche Leihgesuche am laufenden Band für Bilder aus der Sammlung. Zum Beispiel werden nächstes Jahr 'Die Rosensträucher im Garten von Montgeron' als Leihgabe an das Musée d'Orsay in Paris und an die National Gallery in London gehen."

Und alle, die nicht genug vom Impressionismus kriegen können, dürfen sich auf den November freuen. Dann kommt als Sonderschau "Impressionismus aus Russland" dazu - und das verspricht einen interessanten Dialog mit den Franzosen, die jetzt in Potsdam ein neues Zuhause gefunden haben.

Quelle: ntv.de

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