Panorama

Geisel mit Rasierklinge bedroht Polizei erschießt Häftling in Münster

Zu einer Geiselnahme kommt es in einer Haftanstalt nahe der Münsteraner Innenstadt. Beim folgenden Polizeieinsatz kann die Geisel unverletzt befreit werden - der Geiselnehmer, ein Insasse der JVA, stirbt jedoch bei dem Einsatz.

Ein Polizeieinsatz in der JVA Münster endet mit einem Toten: Ein Häftling war von den Beamten erschossen worden, nachdem er vorher eine Bedienstete als Geisel genommen hatte, wie eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Justizministeriums sagte. Die Bedienstete ist eine 29 Jahre alte Auszubildende. Die Frau sei körperlich "nahezu unverletzt", hieß es vom Justizministerium.

Laut der "Bild"-Zeitung soll der Häftling die Bedienstete mit einer Rasierklinge bedroht und einen Hubschrauber verlangt haben. Die Polizei hatte um kurz vor 10 Uhr morgens via Twitter mitgeteilt: "Einsatzlage beendet. Geisel unverletzt befreit. Der Täter ist bei dem Einsatz ums Leben gekommen." Die Polizei war gegen 6.30 Uhr alarmiert worden. Sie war mit einem Großaufgebot an der JVA im Einsatz.

Der Mann saß für einen Tritt gegen einen Polizisten im Gefängnis. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster hatte der wohnungslose und alkoholkranke Mann 2019 auf dem Gelände einer Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster randaliert. Die Pfleger riefen die Polizei. Die sprach einen Platzverweis aus. Dem kam er nicht nach und trat in Richtung eines Beamten. Das Amtsgericht verurteilte ihn daraufhin zu einer Bewährungsstrafe.

"In Gedanken bei den Angehörigen"

Weil er in dieser Zeit den Bewährungsauflagen nicht nachkam, musste er ins Gefängnis. Warum er jetzt, kurz vor seiner Entlassung am 10. November, eine Geisel nahm, ist Teil der Ermittlungen, wie die Staatsanwaltschaft Münster erklärte. Bei der Befreiung der Geisel hatten die Spezialkräfte ein psychisch auffälliges Verhalten beobachtet.

Man kümmere sich nun intensiv um die befreite Frau, sagte ein Sprecher des Justizministeriums über die 29-jährige Geisel. Gleichzeitig drückte der Sprecher sein Beileid für den 40 Jahre alten Häftling aus: "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen."

Das Gefängnis in Münster ist nur noch zum Teil mit Gefangenen belegt. Seit Jahren ist ein Neubau im Osten der Stadt geplant. Der Bau soll 2025 bezogen werden. 2016 musste ein Teil der JVA innerhalb von 48 Stunden geräumt werden, weil Teile des denkmalgeschützten Gebäudes als einsturzgefährdet galten. Die Evakuierung des 160 Jahre alten Bereiches hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die rund 500 Häftlinge wurden kurzfristig auf andere Gefängnisse in NRW verlegt.

Quelle: ntv.de, kst/dpa