Panorama

Warnung und Bitte an Bevölkerung Polizei fahndet nach Psychiatrie-Ausbrechern

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Die Polizei sucht nach den Männern, die in der geschlossenen Station untergebracht waren.

(Foto: dpa)

Die Polizei in Baden-Württemberg fahndet nach vier Männern, die aus einer Psychiatrie ausgebrochen sind. Eine Warnung geht an die Bevölkerung: Man solle keine Anhalter mitnehmen und die Männer könnten bewaffnet sein. Hinweise sind dringend erbeten.

Vier Männer sind am Mittwochabend aus einer geschlossenen Station eines Klinikums im baden-württembergischen Weinsberg nahe Heilbronn geflüchtet. Die Flüchtigen, darunter drei rechtskräftig verurteilte Straftäter, gelten als gefährlich und sind möglicherweise bewaffnet, wie die Polizei mitteilte. Es lägen bislang zwar keine konkreten Hinweise auf Waffen vor, sagte ein Polizeisprecher. "Aber ausschließen können wir es natürlich nicht." Die Behörde warnte davor, Anhalter mitzunehmen.

Bei der Suche setzen die Ermittler auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei veröffentlichte Namen und Beschreibungen der vier Männer im Alter von 24 bis 37 Jahren, Fotos von ihnen wurden vom Landeskriminalamt veröffentlicht. Bei der Suche nach den vier Männern war nach Angaben eines Sprechers auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz, weitere Details zur Fahndung wolle man zunächst aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Wie die Männer am Mittwoch gegen 22 Uhr aus der Psychiatrie in Weinsberg nahe Heilbronn fliehen konnten, bleibt deswegen bislang ebenso unklar wie die Frage, weshalb sie dort im Maßregelvollzug untergebracht waren. Man habe nach der Flucht "sofort" und "unverzüglich die Polizei eingeschaltet", teilte das Klinikum lediglich mit. Es würden "intensive Ermittlungen" zu den Details der Flucht geführt. Weitere Angaben wollte ein Sprecher des Klinikums unter Verweis auf die Ermittlungen nicht machen.

Beim Maßregelvollzug geht es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Stuttgart um die Unterbringung psychisch kranker oder suchtkranker Straftäter. Ziel ist der Schutz der Bevölkerung und eine Therapie der Patienten. Bei drei der vier nun geflüchteten Männer habe aber ein Abbruch der Therapie bevorgestanden, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatte in der Vergangenheit gefordert, Straftäter in diesem Fall möglichst schnell in Gefängnissen unterzubringen: "Solche Delinquenten sind im Maßregelvollzug schwer zu handhaben", sagte er nach dem Ausbruch mehrerer Straftäter aus einer Klinik in Calw im April 2019. Nach Angaben des Ministeriums beschäftigt sich deshalb eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern mit einer Änderung des betreffenden Paragrafen im Strafgesetzbuch. "Ihre Arbeit steht kurz vor dem Abschluss", sagte ein Ministeriumssprecher.

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Das Klinikum am Weissenhof - Zentrum für Psychiatrie Weinsberg ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Es ist der Aufsicht des Landes Baden-Württemberg unterstellt und bietet eine psychiatrische-psychotherapeutische und psychosomatische Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen in der Region Heilbronn.

2015 war ein 60 Jahre alter Patient im Maßregelvollzug in Weinsberg umgebracht worden. Damals hatte sich der Tatverdacht gegen den Mitbewohner des Mannes gerichtet. Der 34 Jahre alte Tatverdächtige hatte sich erhängt, als der Fall damals vor dem Heilbronner Landgericht verhandelt wurde.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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