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Hauptziel Shisha-Bars Polizei führt Schlag gegen Berliner Clans aus

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Die Polizei schlug in einer konzertierten Aktion zu.

(Foto: dpa)

In der Vergangenheit wurde dem Bezirk Berlin-Neukölln oft vorgeworfen, zu wenig gegen kriminelle arabische Großfamilien zu unternehmen. Das ist wohl Geschichte - erneut startet die Polizei eine Großrazzia gegen die Geschäfte der Clans.

Was ist passiert?

Rund um die Sonnenallee starteten die Berliner Polizei und andere Behörden am Mittwoch einen Großeinsatz. Die Beamten kontrollierten dabei Gewerbebetriebe und vor allem mehrere Shisha-Bars, die als beliebte Treffpunkte arabischer Großfamilien gelten. Die in Teilen kriminellen Strukturen arabischer Clans gelten besonders im Bezirk Neukölln seit Langem als problematisch, da viele der polizeibekannten Familien dort verwurzelt sind. Laut Angaben lokaler Medien wurde nur bei einer einzigen von insgesamt zehn kontrollierten Bars nichts beanstandet, eine wurde sogar wegen gewerberechtlicher Verstöße sofort geschlossen. Laut Pressemitteilung der Polizei stellte sich bei einem 29-jährigen Gast, der in dem Lokal überprüft wurde, heraus, dass er Drogen bei sich hatte und mit Haftbefehl gesucht wurde. Er wurde verhaftet und dem Landeskriminalamt überstellt.

Am Mittag hatten Polizisten bereits zehn Juwelierläden und Reisebüros kontrolliert, schwerpunktmäßig im Bezirk Mitte. Dabei wurden laut Polizei auch zwei Tresore mit richterlichem Beschluss durchsucht. Die Beamten stießen dabei auf Bargeld in fünfstelliger Höhe, das wegen Verdachts auf Geldwäsche beschlagnahmt wurde. Laut "Berliner Morgenpost" soll es sich bei dem Fundort um das Juweliergeschäft der polizeibekannten Großfamilie R. an der Silbersteinstraße in Neukölln handeln. Bei dem Großeinsatz am Abend waren auch der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Berlins Innensenator Andreas Geisel zugegen.

Wer war im Einsatz?

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Es handelte sich bei der geplanten Razzia um einen Verbundeinsatz. Sowohl das Hauptzollamt als auch die Steuerfahndung und das Bezirksamt waren daran beteiligt. Die Berliner Polizei war mit einem Großaufgebot von 340 Polizisten vor Ort. Unterstützt wurden sie von Beamten des Bundeskriminalamtes, die über spezielle Geräte zur Dokumentenüberprüfung verfügen. Zudem war auch zum ersten Mal das Zentrum für Analyse und Koordination (ZAK) zur Bekämpfung krimineller Strukturen beteiligt. Die Koordinierungsstelle wurde im vergangenen Jahr gegründet, um die Clan-Kriminalität in Zukunft gezielt zu bekämpfen.

Kritiker von Reformen innerhalb der Berliner Polizei bemängeln, dass Neukölln am meisten von den Neuerungen profitiere, weil sich mit Großeinsätzen wie gestern rund um die Sonnenallee gute Bilder liefern lassen. Der Sprecher der Polizeigewerkschaft Thomas Spaniel sagte der "Berliner Zeitung": "Selbstverständlich kann man den polizeilichen Nutzen einer solchen Showveranstaltung infragestellen, aber gerade beim Kampf gegen arabische Clans ist es wichtig, als Rechtsstaat immer wieder Stärke zu zeigen." Lokalen Medienberichten zufolge war das Polizeiaufgebot auch deshalb so groß, weil in der Vergangenheit arabisch- und türkischstämmige Männer wiederholt Polizisten und Beamte in Neukölln angegriffen hatten. Abschnitte der Sonnenallee waren wegen des Einsatzes gestern zeitweise komplett gesperrt.

Was hat die Polizei in der Vergangenheit gegen Clan-Kriminalität getan?

Die Polizei in Berlin-Neukölln verfolgt schon länger das Ziel, im Kampf gegen Clan-Kriminalität stärker die Härte des Rechtsstaates zu demonstrieren. So wurden in den zurückliegenden Monaten etwa die Verkehrskontrollen auf den Straßen Neuköllns verstärkt. Fahrer von getunten und protzigen Wagen wurden dabei kontrolliert. Außerdem gibt es immer wieder Razzien an beliebten Treffpunkten arabischer Großfamilien. Der Bezirk wird dabei lokalen Medienberichten zufolge auch durchaus erfinderisch, um gegen die Clanstrukturen vorzugehen.

Ein Imbiss wurde beispielsweise bereits aus Denkmalschutzgründen geschlossen. Shisha-Bars werden immer öfter auf die geltenden Brandschutzbestimmungen hin überprüft und es wird festgestellt, ob die zugelassenen Grenzen der Kohlenmonoxid-Werte tatsächlich eingehalten werden. Als bisher härtester Schlag gegen die Clans gilt die Beschlagnahmung von 77 Immobilien der deutsch-arabischen Großfamilie R. Die Familie steht im Verdacht, 28 Millionen Euro aus Straftaten in die Häuser investiert zu haben. Angehörige der Familie stehen zudem derzeit vor dem Berliner Landgericht, wegen des mutmaßlichen Diebstahls der Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Bode-Museum.

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Quelle: n-tv.de

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