Panorama

"Er saß in einem Gebüsch" Polizei schildert Festnahme von Yves R.

Nach fünf Tagen Großfahndung gelingt der Polizei die Festnahme des Waldläufers. In einer Pressekonferenz verraten die Ermittler Details. Nach ersten Erkenntnissen fanden sie den Mann in einem Gebüsch. Die Dienstwaffen der Polizisten lagen vor ihm, ein Abschiedsbrief auch.

Die Suche ist vorbei. Der Mann, ein Waffennarr, ein Waldläufer, wie ihn die Ermittler nennen, ist gefasst. Tagelang war der 31-Jährige im Schwarzwald bei Oppenau auf der Flucht vor der Polizei. Vor Hubschraubern mit Wärmebildkameras, Spezialkräften, Suchhunden. Der Mann hatte vier Polizisten bei einer Kontrolle in einer Gartenhütte bedroht, die er illegal genutzt hatte. Er nahm ihnen die Dienstwaffen ab und verschwand im Wald.

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Fünf Tage lang hatte sich Yves R. im Wald versteckt, mit den erbeuteten Waffen von vier Polizisten ausgerüstet.

Nach zwei Zeugenhinweisen fasste ihn nun ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am Nachmittag. Auf einer Pressekonferenz verraten die Ermittler erste Details. Weil der Verdächtige als gefährlich gegolten habe, habe man seine Spur mit Hunden aufgenommen, berichtete Einsatzleiter Jürgen Rieger. Außerdem habe ein Hubschrauber aus der Luft das Gebiet gesichert. Der Hund habe sofort die Fährte aufgenommen und die Ermittler seien bald sicher gewesen, dass es sich um eine frische Spur gehandelt habe.

Der 31-Jährige Yves R. sei dann kurz darauf in einem Gebüsch sitzend entdeckt worden, schilderte Rieger weiter. Er hätte vier Pistolen vor sich hingelegt, außerdem lag ein Schriftstück daneben. Es habe sich wohl um einen Abschiedsbrief gehandelt. Auf seinem Schoß habe Yves R. ein Beil abgelegt. Die Spezialkräfte sprachen ihn an, kurz darauf habe man entschieden, den Verdächtigen zu überwältigen. Der Festgenommene und auch ein SEK-Beamter seien dabei leicht verletzt worden. Unklar sei bislang noch, ob der 31-Jährige sich bei seiner Festnahme massiv wehrte oder ob er sich leicht überwältigen ließ.

Bei seiner Festnahme fand man neben den vier Polizeiwaffen noch eine fünfte Pistole. Die Untersuchung dieser fünften Waffe laufe noch. Daher mache er "keine Aussage zu Art und Gefährlichkeit der Waffe", sagte Rieger weiter. Dem 31-Jährigen wird besonders schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Er solle nun von einem Psychiater begutachtet werden. Dies sei aufgrund des "Schwergewichts der Tat" und der Vorgeschichte des Mannes nötig, sagte Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer während der Pressekonferenz. Zudem werde bei ihm eine Blutprobe entnommen, um zu prüfen, ob der Mann "Substanzen, Medikamente oder Rauschmittel" eingenommen hatte. Der bestehende Haftbefehl solle dem Mann am Samstag eröffnet werden.

"Der Alptraum ist zu Ende"

Für den beschaulichen Ort Oppenau endet mit der Festnahme von Yves R. eine nervenaufreibende Woche. "Ich bin einfach nur froh, dass der Alptraum für unseren Ort ein Ende gefunden hat", sagt Bürgermeister Uwe Gaiser, kurz nachdem die Polizei die Öffentlichkeit über die vorläufige Festnahme des 31-Jährigen informiert hat. Viel mehr weiß Gaiser über die Umstände da selbst noch nicht.

Seit der Flucht R.s in ein Waldstück vor fünf Tagen hatte die Polizei unter Hochdruck nach dem Verdächtigen gesucht. Hunderte Polizisten, unterstützt von Hubschraubern und Wärmebildkameras, durchkämmten die umliegenden Wälder und durchsuchten dabei auch mögliche Unterschlüpfe wie Höhlen, alte Bunkeranlagen oder verlassene Gebäude.

Zur spektakulären Flucht R.s kam es am vergangenen Sonntag bei einer Polizeikontrolle in Oppenau. Polizisten waren in einer Hütte angerückt, nachdem ihnen ein Verdächtiger in Tarnkleidung und mit Pfeil und Bogen gemeldet worden war. Der 31-Jährige bedrohte dort einen der Polizisten nach Ermittlerangaben mit einer Pistole, woraufhin die Beamten ihre Waffen niederlegten. Schwer bewaffnet flüchtete der Mann dann in den Wald.

Vorbestraft wegen Volksverhetzung

Nach Ermittlerangaben war der heute 31-Jährige als Jugendlicher wegen Volksverhetzung zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, die ihm jedoch später erlassen wurde. Im Alter von 15 Jahren hatte er demnach das für die Öffentlichkeit sichtbare Schild eines Jugendwerks so verändert, dass die Aufschrift des Schildes anschließend die Worte "Juden weg" enthielt. Außerdem habe er eine Bombenattrappe gefertigt, um seinen Erziehern in dem Jugendwerk Angst zu machen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Auch sei er dort durch antisemitische Äußerungen und die Verwendung von Hakenkreuzen und SS-Symbolen aufgefallen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fiel R. in den vergangenen Jahren zudem immer wieder durch Verstöße gegen Waffengesetze auf. Nach Presseberichten soll er bereits eine Haftstrafe wegen Körperverletzung einer ehemaligen Partnerin mit einer Armbrust verbüßt haben.

R.s ehemaliger Vermieter sagte der Nachrichtenagentur AFP, R. habe in seiner letzten festen Wohnung heimlich einen Schießstand eingerichtet. Ende vergangenen Jahres ließ der Vermieter nach eigenen Angaben die Wohnung zwangsräumen. Zu diesem Zeitpunkt habe R. mit zehn Monaten mit der Miete im Rückstand gelegen. Den Angaben zufolge arbeitete R. damals noch bei der Bahn in Offenburg.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP

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