Panorama

Gruppenvergewaltigung in Brasilien Polizei setzt umstrittenen Chefermittler ab

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Aus Gründen des "Opferschutzes" wird Alessandro Thiers (l.) der Fall entzogen.

(Foto: REUTERS)

Die Massenvergewaltigung eines Teenagers schockt Brasilien: Tausende gehen auf die Straße, um gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Ausgerechnet dem Chefermittler selbst wird nun Frauenfeindlichkeit vorgeworfen - die Polizei reagiert.

Nach der schockierenden Gruppenvergewaltigung einer 16-Jährigen in Brasilien ist der zuständige Ermittler von seinen Aufgaben entbunden und ersetzt worden. Die Polizei begründete die Maßnahme in einer Erklärung mit dem "Opferschutz" und damit, dass künftig Zweifel an der Unparteilichkeit der polizeilichen Ermittlungen vermieden werden sollten.

Eloisa Samy Santiago, die Anwältin der 16-Jährigen, hatte die Absetzung des Ermittlungsleiters Alessandro Thiers bereits am Samstag gefordert, nachdem ihre Mandantin dem Kommissar "Frauenfeindlichkeit" und "Chauvinismus" vorgeworfen hatte.

Der Chefermittler hatte am Freitag mit umstrittenen Äußerungen Kritik auf sich gezogen. Unter anderem hatte er die Frage aufgeworfen, ob die Gruppenvergewaltigung möglicherweise "mit Einwilligung" des Opfers erfolgt sein könnte, ob sie "unter Drogen" gestanden habe und ob sich alles wirklich so zugetragen habe, wie von der jungen Frau geschildert.

Expertin wird Chefermittlerin

Außerdem soll Thiers laut der Anwältin in einer Vernehmung das Opfer gefragt haben, ob sie häufiger "aus Gewohnheit an Orgien teilnehme". Die Ermittlungen werden nun künftig von einer Ermittlerin für minderjährige Gewaltopfer, Cristiana Bento, geleitet.

Handyaufnahmen der Tat waren am Mittwoch im Internet aufgetaucht und hatten für Entsetzen gesorgt. Darauf ist eine junge Frau zu sehen, wie sie nackt, blutend und offenbar bewusstlos auf einem Bett liegt. Eine männliche Stimme brüstet sich in dem Video damit, dass die 16-Jährige "von mehr als 30 Typen vergewaltigt" worden sei. Die Polizei suchte am Wochenende in einem Großeinsatz in einem Armenviertel westlich von Rio de Janeiro die mutmaßlichen Täter. Zudem sagte die Anwältin des Opfers bei der Polizei aus, das Mädchen sei von 33 Bewaffneten in dem Armenviertel sexuell missbraucht worden.

Nach Angaben ihrer Familie war die 16-Jährige vor einer Woche in eine Falle gelockt, unter Drogen gesetzt und dann missbraucht worden. Es soll sich um einen Racheakt eines Exfreundes gehandelt haben.

Quelle: n-tv.de, jgu/AFP