Panorama
Polizisten in München.
Polizisten in München.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 05. Februar 2013

Gefesselte 23-Jährige verletzt: Polizist schlägt mit Faust zu

Kann eine Frau in Handschellen so um sich schlagen, dass sich ein Polizist nur noch mit einem Faustschlag wehren kann? Nach Darstellung eines bayerischen Beamten war es genau so. Und auch die Polizei hält Notwehr für möglich.

Ein Münchner Polizist hat einer 23-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Sie habe auf der Polizeiinspektion um sich getreten und dem Beamten ins Gesicht gespuckt, teilte die Polizei mit. Als sie mit ihrem Kopf nach dem Polizisten stieß, versetzte dieser ihr den Faustschlag – so habe es der Beamte geschildert. Der Mann – "ein erfahrener Beamter" – gibt an, aus Notwehr gehandelt zu haben. Vom Dienst suspendiert wurde er nicht. "Nach derzeitigen Ermittlungen ist eine Notwehr dem Polizisten nicht abzusprechen", sagte ein Sprecher.

Die Frau kam ins Krankenhaus. Medienberichten zufolge brach bei dem Schlag ihr Nasenbein, außerdem wurde sie an der Augenhöhle verletzt. Ermittlungen sollen klären, ob der Polizist bei dem Vorfall im Januar in Notwehr handelte. Die beteiligten Beamten vermuten, dass die Frau Drogen genommen hatte.

Der Anwalt der Frau erstattete Anzeige. Er sprach laut Polizei von zwei Faustschlägen ins Gesicht seiner Mandantin – dabei sei sie gefesselt gewesen.

SPD glaubt nicht an Notwehr

Die Frau hatte wegen eines Streits mit ihrem Freund die Polizei verständigt. Um die Situation zu klären, wurden die beiden aufs Revier gefahren. Während der Fahrt rastete die Frau nach Polizeiangaben aus und wurde gefesselt. Gegen sie laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung.

Die Landtags-SPD forderte das Innenministerium auf, den Vorfall umgehend aufzuklären. An eine Notwehrsituation glaubt der SPD-Rechtspolitiker Florian Ritter nicht: "Dafür sind die Verletzungen zu schwer."

Quelle: n-tv.de