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Bluttest auf Trisomie Praena-Test kommt für Risikoschwangere

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Der Test ist lediglich mit einer Blutabnahme verbunden.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Die Spitzengremien des Gesundheitssystems haben beschlossen, dass Bluttests zur Erkennung des Downsyndroms bei ungeborenen Kindern unter bestimmten Voraussetzungen von gesetzlichen Kassen bezahlt werden. Die Entscheidung ist sehr umstritten - warum?

Wer hat darüber entschieden?
Die Entscheidung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen getroffen.

Geht es dabei vor allem um Geld?
Nicht nur, aber auch. Der nichtinvasive Pränataltest ist schon seit Jahren als individuelle Gesundheitsleistung verfügbar. Das heißt, eine schwangere Frau kann ihr ungeborenes Kind relativ unabhängig von der Risikolage auf Trisomie 21 testen lassen, muss das aber selbst bezahlen. Dabei geht es um Kosten zwischen 130 bis 270 Euro, die dann künftig unter bestimmten Bedingungen die Krankenkassen übernehmen würden.

Was wird eigentlich getestet?
Der sogenannte Praena-Test ist eine vorgeburtliche Untersuchung bei Schwangeren. Dabei wird das Erbgut des Fötus anhand von Zellen analysiert, die im Blut der Mutter zirkulieren. Es handelt sich um einen "nicht-invasiven-molekulargenetischen Test", für den lediglich Blut abgenommen wird. Mit hoher Sicherheit lässt sich daraus bestimmen, ob das Ungeborene Trisomie 21, 18 oder 13 hat. Außerdem kann auf weitere Gen-Besonderheiten Turner-, Triple X-, Klinefelter-, XYY-Syndrom und DiGeorge-Syndrom getestet werden.

Welche Behinderungen sind mit diesen Chromosomenstörungen verbunden?
Das kann man nicht genau sagen, weil die Bandbreite sehr groß ist. Trisomie 21 ist vielen auch als Down-Syndrom bekannt. Dabei ist die Schwere der Behinderung sehr unterschiedlich, meist gibt es kognitive Beeinträchtigungen, häufig sind zudem Herzfehler und Darmerkrankungen. Kinder mit Trisomie 18 oder 13 haben schwere Fehlbildungen lebenswichtiger Organe wie Herz, Nieren und Gehirn. Die meisten Kinder sterben, bevor sie geboren werden. Die, die lebend auf die Welt kommen, überleben selten das erste Lebensjahr. Die anderen Chromosomenstörungen gehen zum Teil mit Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit oder mit insgesamt geringeren Beeinträchtigungen einher.

Warum war die Entscheidung so umstritten?
Durch den Test öffnen sich keine Therapiemöglichkeiten für die ungeborenen Kinder. Kritiker fürchten, dass durch die einfache Verwendung des Tests die Geburt von behinderten Kindern immer mehr als vermeidbar dargestellt und wahrgenommen wird. Das könnte sich auf die Akzeptanz von Behinderten in der Gesellschaft auswirken. Außerdem entscheidet sich die Mehrheit der Mütter, bei deren ungeborenen Kindern das Down-Syndrom festgestellt wird, für eine Abtreibung. Das zeigen Zahlen aus Dänemark, wo sich nach der Einführung der Trisomie-Tests als Regelleistung die Zahl der mit diesen Chromosomdefekten geborenen Kinder halbierte. Befürchtet wird eine Auslese, weil das Leben Behinderter als weniger lebenswert eingestuft wird.

Was sagen die Befürworter?
Sie sehen vor allem die Gleichstellung aller Schwangeren, unabhängig vom Einkommen. Bisher seien Familien mit geringeren Ressourcen benachteiligt, weil sie sich seltener für die teuren Igel-Leistungen entscheiden. Außerdem sei die neue Testmethode über eine Blutabnahme wesentlich risikoärmer als die bisherigen Methoden. Das sollte man keinem Versicherten vorenthalten.

Welche Grenzen hat der Gemeinsame Bundesausschuss gesteckt?
Die neue Kassenleistung soll "nur in begründeten Einzelfällen" für Frauen mit Risikoschwangerschaften nach einer ärztlichen Beratung gelten, verbunden mit bestimmten verpflichtenden Informationen. Durch die "sehr engen Voraussetzungen" werde klar und eindeutig geregelt, dass der Bluttest nicht als ethisch unvertretbares "Screening" eingesetzt werde, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken. Ziel ist es laut G-BA, Risiken einer sonst erforderlichen invasiven Untersuchung zu vermeiden.

Ab wann wäre der Test dann Kassenleistung?
In Anspruch genommen werden kann die neue Kassenleistung vorerst noch nicht - zunächst muss voraussichtlich Ende 2020 die verpflichtende Versicherteninformation beschlossen werden. Auch das Bundesgesundheitsministerium muss die Beschlüsse billigen.

Quelle: n-tv.de

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