Panorama

Bange Sekunden am TelefonQualität der Notrufdienste schwankt gewaltig

11.02.2015, 19:07 Uhr
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(Foto: obs)

Notruf: Ein Griff in die Tasche, Handy raus, 112 wählen. Bald kommt Hilfe - sollte man meinen. Dass das nicht immer so funktioniert, belegt ein Bericht der EU. Schon beim Entgegennehmen eines Notrufes gehen die Wartezeiten weit auseinander.

Der Notrufnummer 112 soll europaweit der schnellste Weg zur Hilfe sein - ein in Brüssel veröffentlichter EU-Bericht belegt aber, dass es weiterhin große Mängel bei Entgegennahme der Anrufe und den folgenden Schritten gibt. "Die Mitgliedstaaten müssen mehr tun", urteilte die Europäische Kommission.

Der Bericht bezieht sich auf die Zeit von Anfang Juli 2013 bis Ende Juni 2014 und beruht auf den Angaben aus den jeweiligen Staaten. In 20 EU-Staaten dauerte es demnach in der Regel zehn Sekunden oder weniger, bis ein Notruf entgegengenommen wurde. Aus Deutschland lagen hierzu keine Daten vor. Die deutschen Behörden hätten neben den zypriotischen generell "die am wenigsten relevanten Informationen" bereitgestellt, bemerkt der Bericht.

Notruf per SMS kostet

Sehr verschieden sind die Zeiten, in denen es gelingt, den Anrufer mittels Telekommunikationstechnik zu lokalisieren. Dies ist wichtig, damit die Rettungsdienste beispielsweise einen Unfallort schnell anfahren können. Innerhalb von zehn Sekunden klappt dies demnach in 17 Ländern. Hinzu kommt Deutschland, wo diese Frist aber nicht flächendeckend erreicht wird, sondern es bis zu 70 Sekunden dauern kann. "Exzessiv lange" dauert die Lokalisierung laut Bericht in Frankreich, Malta und Griechenland, bei Griechenland gar bis zu 35 Minuten.

Unfallopfer, die nicht mehr sprechen können, haben teilweise die Möglichkeit, die Retter per SMS oder anderen Techniken wie Videostreaming zu benachrichtigen. Im Gegensatz zum telefonischen Notruf, ist der Notruf per SMS nicht kostenfrei. Je nach Telefon-Anbieter können Servicekosten in Höhe von 65 Cent bis einem Euro in Rechnung gestellt werden. Da das Verfassen einer Notruf-SMS, die alle notwendigen Informationen für die Rettungskräfte beinhaltet, weit mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein Anruf, wird stark davon abgeraten.

Der SMS-Service ist ausschließlich für Gehörlose und Sprechbehinderte Personen gedacht. Ohnehin steht der SMS-Service dem Bericht nach nur in 22 EU-Ländern zur Verfügung. In Deutschland gibt es den SMS-Notruf nur in bestimmten Bundesländern, teilweise jedoch nicht unter der 112 und 110, sondern unter alternativen Rufnummern.

Quelle: ntv.de, spt/AFP

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